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Ach du Schreck!

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Ach du Schreck!

Was sind wir Menschen doch manchmal schadenfroh! Ich persönlich habe ein großes Vergnügen am „Pranking“ – also daran, dass sich jemand auf Grund eines Streiches erschreckt.
Fairerweise finde ich es auch gut, wenn jemand mich erschreckt – nicht in dem Moment, aber im Nachhinein immer.

Hier zwei meiner Lieblingsgeschichten, jeder hat davon wohl unzählige im Repertoire:

Wenn es in der Küche knarrt…
Eine Zeit lang hatte ich eine Freundin, die sich dauernd erschreckte. Es war leicht. Sie liebte ebenso wie ich Mystery, Grusel und Geister, und vermutlich hat das ihre Schreckhaftigkeit nur gefördert. Sie wohnte mit ihrer Familie in einem Haus, das drei Etagen hatte – ihr Reich war ganz oben.
An einem sehr warmen Tag ging ich sie besuchen und kroch die steile Treppe zu ihr erschöpft auf allen Vieren hinauf. Kaum oben angekommen, sprang sie plötzlich kreischend auf meinen Fingern herum, weil sie aus unerfindlichen Gründen dachte, dass sich ein Sumpfmonster oder ein Grottenolm oder Ähnliches ihre Stufen hochkämpft. Sie hätte nur Finger gesehen, die sich auf die oberste Stufe legten, und sie wollte nicht „geholt“ werden. Das war ziemlich schmerzhaft.

Später dachte ich, ich räche mich – die Gelegenheit war toll! Wir hatten den ganzen Tag miteinander verbracht und wollten abends dann einen Horrorfilm sehen. Wieder bei ihr. Und es war dunkel.
Kaum angekommen, ging sie erstmal hoch, um sich frisch zu machen und bequeme Klamotten anzuziehen. Ich wartete im Erdgeschoss, wo sich Wohnzimmer und Küche befanden. Wir wollten den Film im Wohnzimmer sehen.
Ich schlich mich also in die Küche und wartete… der Plan war, sie anzuspringen, wenn sie an der Küchentür vorbeiging. Was unweigerlich war, wenn man ins Wohnzimmer wollte, wo nun mal der große Fernseher stand.
Leider hatte die Küche einen Holzboden – einen alten Holzboden, der bei jeder noch so kleinen Gewichtsverlagerung knarzte. Also gab ich mir die größte Mühe, so bewegungslos wie möglich da zu stehen.
Ich wartete 18 Minuten. Die Uhr immer im Blick. Und ich wollte schon aufgeben, denn es ist wirklich sehr, sehr anstrengend, 18 Minuten irgendwo zu stehen und sich zu bemühen, keinen Muskel zu bewegen.
Da hörte ich sie, wie sie die Treppe runterkam. Sie dachte ja, ich warte im Wohnzimmer, daher schien der Plan narrensicher… allerdings knipste sie plötzlich das Licht im Flur an, und der Schein fiel direkt auf mich.
Ich war unbegeistert, ewig langes bewegungsloses Rumstehen für nichts.
Allerdings! Ich hatte vergessen, dass „Vom Hellen ins Dunkle gucken“ praktisch blind macht!23
Sie lief an der Küchentür vorbei und starrte mir direkt ins Gesicht, ich machte einen sehr lustlosen Schritt nach vorn und sagte ohne Ambition „Ja, buh“… da brüllt sie wie ein Stier, wirft sich rückwärts gegen die Kellertür, die gegenüber der Küchentür ist, sinkt dabei auf die Knie, wedelt wie ein Boxer mit den Fäusten und schreit und schreit in einer extrem tiefen Tonlage immer wieder „Ah! Ah! Ah!“!
Das hat mich überrascht, denn dass sie mich nicht sehen konnte hatte ich ja vergessen – später fiel es mir dann wieder ein. Ich kann euch sagen, ich freute mich diebisch! Zugegeben, Schadenfreude ist gemein, aber so waren wir nun mal miteinander… ein ewiger Schlagabtausch in dem Versuch uns darin zu übertreffen, uns gegenseitig den größeren Schreck einzujagen.

Nur der Mond hat alles gesehen…
Hier war ich nicht direkt betroffen, sondern mein bester Freund war als Betreuer und Aufsichtsperson in den Schulferien mit auf einem Ausflug in eine Jugendherberge.
Er erzählte mir, dass sie am Abend der Ankunft ihre Zimmer bezogen, die Betreuer hatten alle ein kleines Einzelzimmer.
Die Zimmer waren wohl im Nachhinein geteilt worden, um überall noch ein winziges Bad mit einer Toilette und einem Waschbecken einzuziehen.
Nun packte er seine Tasche aus und ging ins Zimmer nebenan, um seinen Kollegen zu besuchen und die Zeit mit ihm rumzukriegen, bis sie sich mit den Kindern im Aufenthaltsraum treffen sollten.
Die Tür war nicht abgeschlossen, also ging er nach dem Klopfen hinein.
Das Zimmer war dunkel und verlassen. Er überlegte, dass er seinem Kollegen einen kleinen Streich spielen konnte und versteckte sich in dem winzigen Bad.
Seiner Erzählung nach dauerte es ewig, bis sein Kollege endlich kam… ob er wohl 18 Minuten lang bewegungslos neben dem Waschbecken ausharren musste? —
Als dann endlich die Tür ging, kam der Kollege herein, schloss hinter sich ab, ließ das Licht aus und wandte sich seinem Koffer zu, der auf dem Bett lag.
Das war der Moment, in dem mein Freund ein schlechtes Gewissen bekam.
Er dachte, dass sich der Kollege nun sehr sicher fühlen musste, denn er war in ein vermeintlich leeres Zimmer gekommen und hatte hinter sich abgeschlossen – wie sollte sich jetzt noch jemand unbemerkt Zugang verschaffen?
Und das Licht war auch aus, die einzige Lichtquelle war der Vollmond, der in das Zimmer schien und alles in ein dämmriges, fahles Licht tauchte.
Mein Freund beschloss, dass es keine gute Idee mehr war, jemanden unter solchen Umständen zu erschrecken, und wollte sich vorsichtig bemerkbar machen.
Als24o trat er aus dem Bad. Sein Kollege hatte ihm den Rücken zugewandt und wühlte in seinem Koffer auf dem Bett herum. Mein Freund räusperte sich vorsichtig, doch ähnlich wie bei meiner Freundin hatte es genau den Effekt, mit dem man nicht gerechnet hatte – oder in seinem Fall den, den er vermeiden wollte. Der Kollege warf sich herum, sah die Gestalt meines Freundes in dem dunklen, abgeschlossenen Zimmer stehen, warf sich rücklings auf das Bett und schrie in einer sehr – wie mir von beiden Seiten äußerst glaubhaft versichert wurde – hohen, schrillen Tonart, ohne Aussicht darauf, sich schnell wieder zu beruhigen.
Er schrie auch noch, als mein Freund beschwichtigend und auf ihn einredend auf ihn zutrat.
Wenn er diese Geschichte erzählt, sagt er, dass er damals kurzzeitig wirklich Angst hatte, sein Kollege bekomme einen Herzanfall, so heftig war die Reaktion.

Aber – am Ende hat er sich dann doch noch beruhigt, und wann immer sie diese Geschichte erzählen, ernten sie sehr viele Lacher. Persönlich finde ich nur Eines schade daran: Dass ich nicht dabei war.

JK

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