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Kritisches

Star Wars 7- Oder wie Disney ein Franchise verhunzt hat

Star Wars 7 – Oder wie Disney ein Franchise verhunzt hat

Bestimmt kennt fast jeder die „Star Wars“-Filme. Sie sind schon fast ein Kult, gehörten sie doch zu den ersten Sciencefiction-Filmen, die es tatsächlich zu einer weltweiten Bekanntschaft gebracht haben. Der junge Feuchtfarmer Luke Skywalker wohnt bei seinem Onkel und seiner Tante auf einem abgelegenen Wüstenplaneten, bis er schließlich irgendwie in den Besitz zweier Droiden (Roboter) kommt. Einer von ihnen hat eine Botschaft für einen Einsiedler, der weitaus mehr ist, als er zu sein scheint.
Im Grunde spielt die ganze Filmtrilogie eine Geschichte, wie sie auch in einem x-beliebigen Fantasybuch vorkommen könnte. Ein Junge wird vom Bauernsohn zum Kämpfer, und ist der Auserwählte, der das Imperium letztlich besiegen soll. Trotz dieser sehr einfach gestrickten Handlung, macht es Spaß die Filme zu sehen, und die Abenteuer der Charaktere weiterzuverfolgen.
Zwanzig Jahre nach der der alten Trilogie, schafft es eine weitere Trilogie in die Kinos zu kommen, welche eine ganze Weile vor den Ereignissen der ersten Trilogie handelt. Und endlich hat sich auch das Setting geändert. War die ursprüngliche Trilogie noch ein Weltraummärchen, so ist die nachfolgende Trilogie wesentlich komplexer, tiefgründiger, und gesellschaftskritischer.
Die galaktische Republik ist von Korruption gezeichnet, die Jedi-Ritter sind kaum mehr als die Laufburschen der Republik, auf vielen Planeten ist Sklaverei üblich, wieder andere sind von Bürgerkriegen zerrissen. Dinge, an denen die Republik kaum Interesse zeigt, weil es sich für sie nicht wirtschaftlich rentiert. Im Gegenteil sogar, skrupellose Kapitalisten der Handelsföderation verdienen daran, Kampfdroiden zu bauen, um die Kriege weiter anzuheizen. Dennoch gibt es immer wieder Menschen (und Nicht-Menschen), die sich dafür einsetzen, die Republik wieder zu dem zu machen, was sie einst war, die überall für Frieden und Gerechtigkeit kämpfen.
Man erlebt die Abenteuer von Anakin Skywalker, der langsam seinen Weg auf die dunkle Seite antritt, und schließlich zu Darth Vader wird. Der eigentliche Drahtzieher hinter den Kriegen ist der oberste Kanzler, der letzte Sith-Lord, der erneut Dunkelheit über die Galaxis bringen will. Die neue Trilogie thematisiert den entfesselten Kapitalismus, religiösen Extremismus, das Entsetzen eines Krieges und den Schrecken einer Diktatur.
Und so war die Freude unter vielen Fans groß, als Disney verkündete, die Star-Wars-Saga fortzusetzen. Doch dann erlebten sie eine große Enttäuschung. Disney hatte sich wieder an der alten Trilogie orientiert, und aus dem Film wieder ein Weltraummärchen gemacht, mehr noch, vieles aus dem ersten Film offen kopiert. Es ist wieder eine Riesenwaffe die zerstört werden muss, wie der Todesstern, nur noch größer; die Protagonistin ist wieder eine junge Jedi, die ihre Kräfte entdecken muss; usw. usf..
Das besondere der neuen Trilogie, was so auch in den Büchern und Comics weitergeführt wurde, der ganze Canon, der auch die Zeit der alten Jedi und Sith (1000 bis 5000 Jahre vor den Filmen) mit einschließt, all das wurde von Disney einfach für ungültig erklärt, nur damit sie eine Neuauflage von dem bringen können, was schon lange out, und nicht mehr als ein belangloses Weltraummärchen ist.
Nun kann ich endlich diejenigen verstehen, die sich bei der Verfilmung von Büchern beschweren, dass das nicht mehr das ist, was sie vorher so mochten.

ENDE

Daniel Ziemski

Sauber „entsorgt“!?

Sauber „entsorgt“!?
Kinder dürfen nicht leben, damit Vergewaltiger weiterhin ruhig schlafen können.

Auch wenn in Pakistan die Unantastbarkeit der Menschenwürde, Gleichheit vor dem Gesetz, Freizügigkeit, Gefangenenrechte, Versammlungs-, Vereinigungs-, Meinungs- und Religionsfreiheit garantiert werden, kommt es, wie Amnesty International und Human Rights Watch wiederholt berichten, immer wieder zu Missachtungen vom Staatsapparat sowie von der Gesellschaft.
Außerdem liegt Pakistan auf der Liste der für Frauen und Mädchen gefährlichsten Orte der Welt auf Platz 3, direkt hinter Afghanistan und dem Kongo.

In Pakistans Justiz herrscht von Polizei bis zu den Richtern Korruption. Das „Recht“ wird nach Geldbeutel und Ansehen des Täters bestimmt. Hinzu kommt, dass in Pakistan das Islamische Recht, die Sharia, gilt und häufig nach religiösem und nicht nach weltlichem Recht geurteilt wird. Dadurch werden die Gesetzesänderungen zum Schutz der Frauen zu großen Teil aufgehoben oder nicht geachtet.
Selbstjustiz, in Form von Ehrenmorden an Frauen, findet regelmäßig statt. Frauen und Mädchen werden häufig Opfer von Gewalt inner- und auch außerhalb der Familie, ohne dass die Täter Bestrafung durch den Staat fürchten müssen. Nach dem Recht entgeht der Täter einer Strafverfolgung, wenn die Angehörigen ihm verzeihen.

Im Fall der 13 jährigen Kainat, die beim Einkaufen verschleppt, unter Drogen gesetzt und von mehreren Männern vergewaltigt wurde, erklärte das Stammesrecht sie für geächtet und forderte vom Vater und ihrem Bruder, sie zu töten. Obwohl sie als entehrt gilt, die Männer alles abstritten und das Gericht dieses Todesurteil gefällt hatte, hielt die Familie zu ihr.
Mehr als drei Jahre klagte sie mit Hilfe eines Menschenrechtanwalts, der Richter glaubte ihr nicht und die Täter wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen (sofern Beweise gesichert wurden). Sie legte Berufung ein und wie bereits beim ersten Prozess wendet sie sich an die Presse und protestiert öffentlich mit ihrer Familie. Ihr Anwalt bezeichnet diesen Kampf als hoffnungsvoll und die Flut an Aussagen von Frauen sei revolutionär.

Kainat hatte unter den Umständen vielleicht Glück, aber vielen Vergewaltigungsopfern geht es nicht so, sie erleiden schlimme Schicksale und die Babys aus einer solchen Vergewaltigung noch viel schlimmere.

Karachi, eine Stadt im westlichen Pakistan am Arabischen Meer. Eine Stadt mit 20 Millionen Einwohnern, ein Ort, in dem der Staat seine Macht verliert, an dem  sich Taliban, kriminelle Gruppen und Parteien bekämpfen. Ein Ort, an dem Frauen und Mädchen in unzähligen Fällen Opfer von Gewalt werden. Zwangsverheiratung, Kinderhochzeit, Ehrenmorde, Säureattacken, Vergewaltigung, gezielte Abtreibung weiblicher Föten und das Töten und Aussetzen weiblicher Kinder stehen an der Tagesordnung.

Jährlich werden hunderte Babys ausgesetzt oder weggeworfen. Es kommt vor, dass bis zu drei Babys in der Woche gefunden werden, andere werden gleich getötet und entsorgt.
Ungewollte Babys werden an die Geburtshelferin gegeben, die die Embryos in eine Plastiktüten stecken und auf den Müll werfen, wo es entsetzlich stinkt und das landet, was keiner mehr will. Zumeist landen Mädchen auf dem Müll, sie haben nach Ansicht der meisten keinen Wert in diesem Land, oder weil sie Resultat einer Vergewaltigung sind, meist auch, weil die Familien es sich nicht leisten können, da bei der Hochzeit eine Mitgift aufgebracht werden muss.
Sugra ist eines dieser Mädchen. Die Polizei fand sie fast tot und blutend im Müll. Irgendetwas hatte sie gebissen, wahrscheinlich ein streunender Hund. Ihr Überleben grenzt an ein Wunder.  Sie ist zwei Jahre, lebt jetzt im Waisenhaus mit 45 anderen Kindern, zumeist Mädchen, die Ähnliches erlebt haben. Sugra spricht nicht, sitzt einfach nur bewegungslos herum.

Was ist das für eine Mutter, die so etwas tut, könnte man fragen. Oft sind es verzweifelte, junge Mädchen, die Vergewaltigungen oder Missbrauch zum Opfer fielen oder denen die Ehe versprochen wurde und der angebliche Werber sich aus dem Staub machte. Frauen, die uneheliche Kinder austragen, laufen Gefahr gesteinigt zu werden. In vielen Fällen sind es aber nicht die Mädchen, die ihre Kinder töten, meist steckt die Familie dahinter.

Ein 17 jähriges Mädchen wurde verkauft. Ehemann und Schwiegervater vergewaltigten das Mädchen und sie wurde schwanger. Sie gaben ihr vergifteten Reis zu essen. Das Baby starb im Mutterleib, danach hat sie es abgetrieben. Mit dem toten Kind im Arm lief sie nach Hause. Ihre Schwiegermutter nahm ihr das Kind ab und warf es dem Hund zum Fressen vor.

Eine Quizsendung erregt Aufsehen und sie wird als neuer Tiefpunkt betrachtet, im Kampf um die Gunst neuer Zuschauer. Sie wird während des Fastenmonats Ramadan im pakistanischen Fernsehen ausgestrahlt und erfreut sich großer Beliebtheit.
Zu gewinnen gibt es neben Waschmaschinen, Mikrowellen usw. – auch Babys. Während der Show wird das Baby vom Moderator immer wieder angepriesen.

„Dieses hübsche Mädchen wurde auf den Müll geworfen“

In ihrem rotem Strampler mit weißen Punkten in die Kamera gehalten. Als der Moderator den Säugling an das kinderlose Paar übergibt, ist die Freude groß, Tränen fließen. Der neue Vater erzählt von jahrelangen, frustrierenden und fruchtlosen Versuchen, Kinder zu bekommen.

Laut CNN wusste das Paar nicht, auf was es sich einließ, als man sie in die Show eingeladen hatte, und nötige Papiere wurden erst nach der Sendung ausgestellt. Da in Pakistan kein Adoptionsgesetz herrscht, müssen die Eltern nun die Vormundschaft beim Familiengericht beantragen.
Dieses Mädchen war nicht das einzige Kind, das die Fürsorge- Organisation  Chhipa zur Verfügung stellte, ein Mädchen wurde bereits verschenkt, ein Junge soll folgen.

Die Chhipa Welfare Organization, hat das Mädchen für die Gameshow zu Verfügung gestellt und verteidigt ihr Vorgehen. Man könne die Öffentlichkeit über das Leid verstoßener Kinder nur so informieren.  Der Gründer Ramzan Chhipa sagt, sie werden der Show weiterhin Babys zur Verfügung stellen. Im Gegensatz zu, wie CNN behauptet, seien die Sieger vor der Sendung ausgewählt und gründliche Nachforschungen angestellt worden.

Kritik kommt von der Frauenrechts-Aktivistin Rakhshanda Parveen. Sie störe sich nicht so sehr an dem moralischen Aspekt, da ein Heim für das Baby gefunden wurde, sondern viel mehr an der kommerziellen Ausschlachtung.
Schärfer ist die Kritik der Ehdi Foundation, einer Stiftung, die sich seit mehr als 60 Jahren um ausgesetzte Kinder kümmert.
Sie betreiben ein Projekt ähnlich der Babyklappe in Deutschland. Jeder kann dort ein Baby hineinlegen, das er nicht aufziehen kann – ob unerwünscht, aus Armut, oder aus Schande, weil das Kind unehelich geboren wurde. Sie können in so genannten Jhoolas (Wiegen) abgegeben werden und man versucht Adoptiveltern zu finden. Es gibt 335 Büros in Pakistan.

C.G.

Über Zeit und Geschwindigkeit

Über Zeit und Geschwindigkeit
 
Zeit wird von jedem Menschen unterschiedlich empfunden. Dabei kommt es nicht nur auf die Persönlichkeit an; auch die aktuellen Umstände sowie das Lebensalter spielen eine entscheidende Rolle.

Was ist Zeit? Wissenschaftlich gesehen die vierte Dimension. Psychisch gesehen – etwa drei Sekunden.

So lange dauert nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen das Hier und Jetzt, die Worte, die sie gerade lesen und interpretieren, kurzum – die Gegenwart.

Was länger zurück liegt, ist schon Vergangenheit, gesichert in diversen Speichern des Gehirns, einschließlich der Worte „vierte Dimension“ weiter oben.

Subjektiv ist Zeit natürlich nicht gleich Zeit. Es macht einen Unterschied, ob sie den Nachtbus verpasst haben und bei Nieselregen 55 Minuten im Dunkeln an der nicht überdachten Haltestelle stehen oder womöglich im Urlaub die heißesten 55 Minuten ihres Lebens erleben.

So unterschiedlich kann die Zeit vergehen. Bei Kindern und Jugendlichen vergeht sie oft endlos langsam, bei Älteren rasend schnell. „Schon wieder (ist) ein Jahr vergangen.“
Noch ist sich die Wissenschaft uneinig, warum – meine Vermutung:

Kinder erleben jeden Tag etwas Neues, lernen jeden Tag dazu. Die Speicher im Gehirn (vom Kurzzeitgedächtnis bis zum Langzeitspeicher; Senioren können sich lebhaft an manches aus ihrer Kindheit erinnern) werden Tag für Tag mit Neuem gefüttert.
So mit 15, 16 Jahren kann es gar nicht schnell genug gehen: endlich 18 werden, volljährig, frei zu entscheiden, was man möchte, Führerschein machen und eine eigene Wohnung zumindest mieten zu dürfen.

Mit Vierzig haben sich die Meisten in ihrem abhängigen Lohnverhältnis eingerichtet, tun jeden Tag dasselbe, Routine beherrscht das Leben.

Das Gehirn bekommt kaum noch Input – die Zeit rast einfach so dahin. „Schon wieder ein Jahr vergangen.“

Noch schlimmer wird es so um die 50, wenn die Arthrose in den Zehen anklingelt, „man hat Rücken“ (aber vielleicht kein Rückgrat) und die Augen brauchen die erste Gleitsichtbrille.

Dann möchte man auf die Bremse treten, die Zeitbremse sozusagen, zumal das Unvermeidliche näher kommt. Niemand lebt ewig.

Schon länger bekannt ist die Entwicklung der Schlafdauer.

Von etwa 16 Stunden bei einem Säugling reduziert sich das Ganze auf bis unter fünf Stunden bei Senioren.

Recht neu ist dagegen die Entwicklung der Chronotypen (Frühaufsteher oder Langschläfer). Kinder sind in der Regel „Lerchen“. Das wissen Eltern, die am Wochenende mal ausschlafen oder sich näher kommen wollen.
Mit der Pubertät werden die Jugendlichen meistens Langschläfer – hier ist ein Schulbeginn um 7:30 plus Fahrt kontraproduktiv. Danach trennen sich die Wege.

Noch fast unbekannt ist die Zeitsoziologie.

Anfangs kannte der Mensch keine Zeit. Jäger und Sammler hatten erstaunlicherweise sehr viel Zeit für sich – jedoch kaum Waren.

Dann fing der Mensch an, die Zeit zu messen. Mit einem Stock in der Erde wurde die Sonnenuhr erfunden. Die ersten Räderuhren dienten noch der Seefahrt zur genaueren Positionsbestimmung.

Mit der bezahlbaren Taschenuhr und der Eisenbahn begann die Beschleunigung unserer Zivilisation.

Heute düsen wir um die Welt, schreiben dutzende E-mails täglich (und löschen genauso viele Spams), lassen Roboter Waren produzieren, die in immer kürzeren Intervallen zu Schrott zerfallen während die entfesselten, globalisierten Börsen immer schneller immer unfassbarere Geldsummen (Buchgeld – Virtuelle Währung  ohne Geldscheine, Goldbarren, Fabriken oder sonst irgendeinen realen Gegenwert) erzeugen und verschieben. Bis diese Blasen platzen.

Zitat Prof. Detlef Zühlke:

„Ja, man hat den Eindruck dass wir uns exponentiell im Zeitverhalten bewegen, d.h. die Innovations-Geschwindigkeit nimmt überproportional zu, neue Produkte müssen in immer kürzerer Zeit auf den Markt kommen und haben dafür eine immer kürzere Lebensdauer. Das wird eine spannende Frage sein, wie sich das letztendlich weiter verhält.
Wenn wir uns mal vorstellen, dass jede Exponentialkurve im Unendlichen landet.
Das Ziel können wir aber nicht akzeptieren. Es wird da also eine Lösung geben müssen, wie wir letztendlich damit umgehen werden.“ (3Sat- Themenabend)

Falls unsere Zivilisation weiter so beschleunigt, wird sie wohl irgendwann vor die Wand fahren.
Denkbar ist, dass zwischen 2025 und 2040 unsere globale HighSpeedKultur einen gewaltigen Umbruch erleben wird.

Bleibt nur die Frage, ob das Ganze friedlich vonstattengehen wird, wenn weltweit Milliarden Menschen an den Rand ihrer Existenz gebracht werden.

Nicht nur knallharte Sparprogramme für „die da unten“ – in Griechenland gibt es beispielsweise keine Sozialhilfe. Arbeitslosigkeit kann dort am Ende Obdachlosigkeit bedeuten.
Der Mittelstand stirbt ohnehin aus, bzw. verglüht in Leiharbeit und Co.

Aber auch „da oben“ kann die Luft sehr dünn werden.
Schon Ende der 1990er ist der DAX von 6000 auf 4500 gefallen; der Crash von 2008 ist noch in Erinnerung und zurzeit schlittert ganz Europa übers finanzielle Glatteis. Den USA geht es auch nicht besser.

Interessanterweise entsprechen die Summen der Staats- bzw. Bankschulden etwa den Privatvermögen der Eliten.

Laut Tax Justice Network (eine Nicht-Regierungs-Organisation, kurz NGO, die für Steuergerechtigkeit eintritt) haben die Superreichen mindestens 21 Billionen Euro in Steueroasen geparkt – was dem BIP (Brutto-Inlandsprodukt)der USA plus Japan entspricht.

Das Ganze war noch „konservativ gerechnet“ – also ohne den Gegenwert von Jachten, Villen, Privatjets und Co. (Bayrisches Fernsehen, Videotext).

Der Soziologe Prof. Ulrich Beck spricht angesichts der Lage etwa in Griechenland gar von vorrevolutionären Situationen und vergleicht Europa schon mit der DDR. Alle glaubten bis zuletzt, die Fassade würde halten. Zitat: „Keiner kann erwarten, dass das so schnell zusammenbrechen kann.“ (ARD Monitor)

Dabei scheint die Menschheit sich immer weiter in Geschwindigkeit hineinzusteigern.
Egal, ob auf der Arbeit oder beispielsweise im Straßenverkehr.

In den Wirtschaftswunderjahren gab es viele zierliche Autos, die oftmals trotz primitiver Zweitaktmotoren mit fünf Litern pro 100 Kilometern oder weniger auskamen.
Dafür reichten einem Porsche 356 damals Motorleistungen von 60 bis 110 PS aus, um freie Fahrt auf freier Überholspur zu genießen.

Damals war die Endlichkeit fossiler Energieträger kaum bewusst und ein Klimawandel aufgrund eines Treibhauseffektes, ausgelöst durch menschgemachten CO2-Ausstoß noch unbekannt.

In den 1970ern, als die Ölkrise den Westen schockierte, hatte Volkswagen seinen Golf. Der 50-PS-Benziner war mit fünfeinhalb bis sieben Litern flott zu bewegen, der Diesel noch sparsamer.
Damals wog der Ur-Golf keine 800 Kilo.
Der aktuelle Golf dagegen wiegt mindestens 1200 Kilo und kann mit 300 PS ab Werk geordert werden. Und im Volkswagen-Regal liegt der Bugatti Veyron mit 1200 PS bereit…

Wie viel Auto braucht der Mensch, um seinen Allerwertesten zum Bäcker zu bewegen – und zu welchem Preis?

Schon 2006 hat die Auto-Bild den Porsche Cayenne über die Autobahn geprügelt, Verbrauch: 66,7 Liter.
Aktuell gibt es den Geländewagen als Hybrid mit zusätzlichem Elektromotor.
Der macht besonders im Stop-and-Go-Verkehr Sinn, unterstützt bei brachialer Fahrweise den Verbrenner und erlaubt es dem Fahrer künftig, Bus-Spuren zu benutzen, wenn es nach manchem Politiker ginge.

Der vielzitierte Verkehrskollaps ist zumindest im Ruhrgebiet längst Realität. Ob es da Sinn macht, mit Hybridautos Bus-Spuren zu blockieren, ist fraglich.

Während immer stärkere Autos immer langsamer über verstopfte Straßen kriechen, ist die Börse immer schneller geworden. Spezielle Computersysteme kaufen und verkaufen im sogenannten Hochfrequenzhandel tausendfach pro Sekunde nach vorgegebenen Regeln und verschieben so unvorstellbare Geldsummen von Börse zu Börse.

Ein Mensch muss nicht mal mehr anwesend sein.

Allerdings bergen diese Regeln ein gigantisches Risiko. Es können tatsächlich unbemerkt Blasen entstehen, deren Kollaps nicht nur Banken, sondern sogar ganze Staaten in die Pleite und die Bevölkerung schlimmstenfalls in eine Art Bürgerkrieg reißen kann, auch wenn eigentlich „nur“ Buchgeld flöten geht.

Zitat: Das Geld ist nicht weg – das haben jetzt Andere.

Es scheint so, als ob unsere globale Kultur sich entschleunigen müsste – und das schnellstens. Und dass die Eliten lernen müssen, mit dem, was real ist (inklusive Jachten, Villen, Privatjets und Co.) auszukommen.
Auch wenn das Gefühl, noch ein paar Millionen Euro Buchgeld auf ein Konto zu bekommen, äh…
…naja, ein geiles Gefühl verschafft. Wie anderen die besagten 55 Minuten im Urlaub.

Quellen:
Mehrere Fernsehsendungen, eigene Rückschlüsse seit etwa 2002, Internetrecherche (vor allem Wikipedia).
MvZ

Dranbleiben

DRANBLEIBEN

Ich würde mal sagen, Ihre verdammte „Service-Hotline“ verdient ihren Namen nicht. „Service“ heißt doch eigentlich Dienstleistung, und unter einer „Hotline“ stelle ich mir  einen heißen Draht vor, also eine Telefonverbindung, über die mein Anliegen schnell, effektiv und unkompliziert erledigt wird.
Gestern habe ich viermal zu verschiedenen Zeiten bei Ihnen angerufen. Viermal Anrufbeantworter. Dieser sagte nicht, wie gewohnt: “Alle Mitarbeiter sind im Gespräch, bitte warten sie einen Moment.“ Er sagte auch nicht, wie bei meinem Telefonanbieter: „Die Wartezeit beträgt etwa 10 Minuten, Sie können Ihr Problem aber auch selbst am Computer beheben.“ (kein exaktes Zitat, aber Ihr wisst schon, was ich meine.)
Ich höre auch nicht, wie bei meiner Krankenversicherung: „You`ll never be alone“.
Nein, bei Ihnen heißt es einfach: „Alle Mitarbeiter sind im Gespräch, rufen Sie bitte zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal an.“
Hab´ ich getan. Und nochmal – und nochmal – und nochmal .
Wahrscheinlich um mich zu trösten, sagt eine Kollegin: „Ja, es ist Urlaubszeit“. Ich habe jetzt gerade aber keinen Urlaub! Ich möchte wissen, einfach nur wissen, wer denn nun für mich zuständig ist, nachdem sich das Mitarbeiterkarussel mal wieder gedreht hat. Wer meine neue Sachbearbeiterin in der Abteilung A ist, weiß ich. Aber wie sieht es in der Abteilung B aus? Habe ich dort auch eine neue Fachkraft bekommen? Oder ist es die gleiche geblieben und ich rege mich ganz umsonst auf?

Jedenfalls muss ich mein Anliegen vorbringen, bevor der Monat Juli zu Ende ist. Es geht um 70,- € monatlich, was für mich sehr  viel Geld ist!
Ich lebe im ambulanten betreuten Wohnen (kurz BeWo), was nicht heißt, dass ich völlig Banane bin. Es heißt, dass ich zwei Stunden pro Woche zusammen mit einem Sozialarbeiter Dinge bearbeiten kann, die mir alleine sehr schwer fallen. Zum Beispiel wenn es um die Kostenübernahme der vollen Miete geht. Doch auch die Mitarbeiter dort sind nur Menschen. Mein „Joker“ hat Urlaub, seine Vertretung hat gerade einen Todesfall in der Familie. Mein Anliegen ist so spezifisch, dass sich nicht jeder Sozialarbeiter damit auskennt. Ich muss den entsprechenden Sozialarbeitern auch erst eine Vollmacht erteilen, denn sonst darf sowieso niemand in meinem Namen tätig werden.

;-(   ! Ächz !   ;-(    ““S“t“r“e“s“s““ !   $  §  $  §  ! Ächz !  ;-(

Aber ich übe: Beharrlichkeit, Durchsetzungsvermögen, Frustrationstoleranz, Freundlichkeit trotz alledem und nochmal Beharrlichkeit. – Und komme letztendlich einen Schritt weiter. – Oder? ;-))

DRANBLEIBEN WIE EIN TERRIER !

P.S. Heute ist der 21. Oktober. Gestern wurde mein Anliegen freundlicherweise zur SOFORTSACHE erklärt. Ohne meinen Sozialarbeiter hätte ich aufgegeben. Das hält selbst ein Terrier nicht aus.
P.P.S. Heute ist der 27.10.2015. In einem Schreiben teilt man mir mit, dass nun ein medizinischer Gutachter mit meinem Fall betraut wird. Mmhh – soll ich nun nachfragen, wann denn der Termin sein wird oder darauf warten, dass man mir einen Termin mitteilt ?

Chrissi

Sound of Silence

Sound of Silence

Noise, Bruit, Chiasso, θόρυβος, Lawaai, Halas, Barulho, Hrup, gürültü, Larm, Bråk, Buller, Hluk, Lárma, Yalme: viele Sprachen; ein Wort und ein Zustand, den wir täglich einfach hinnehmen: Lärm = Lärmbelästigung.

Das Wort der Lärm ist zurückzuführen auf das italienische all’arme, was soviel heißt wie „zu den Waffen“.
Wenn wir Lärm sagen, meinen wir Geräusche, die durch ihre Struktur, meist in der Lautstärke, auf den Menschen störend, belastend oder auch gesundheitsschädigend wirken. Die Wahrnehmung und besonders die Bewertung, ob etwas als Lärm bezeichnet wird, sind vom Hörer abhängig.

Der Infraschall liegt unter der menschlichen Hörschwelle und ist für das Ohr fast unempfänglich. Er ist ein Bestandteil der Umgebung, kann aber auch künstlich erzeugt werden, z.B. im Verkehr oder durch technische Geräte und kann ähnliche Folgen haben wie der hörbare Schall.

Jeden Tag begleitet dich dieser kleine Dämon, an den du dich so sehr gewöhnt hast.

Am Morgen quäckt dich der elektrische Wecker mit seinem unaufhörlichen Ton aus unruhigem Schlaf. Dann ab ins Badezimmer, danach in die Küche und eine aufmunternde Tasse heißen Kaffee und was passt am besten zum Aufwachen: Radio oder Fernsehen.
Die nahezu pervers gut gelaunten Frühstücksfernsehmoderatoren, besonders die blonde Wetterfee eines bekannten Nachrichtensenders, versuchen mit schlechten Witzen und künstlichem Lachen dich bestmöglich auf den Tag vorzubereiten. Gelangweilt an dem Kaffee schlürfend lauschst du dem trostlosen Wetterbericht oder berauschst dich einfach an der Geräuschkulisse.
Auf dem Weg zur Arbeit oder sonst wohin, wirst du von lauten Hupkonzerten an der Ampel bei Laune gehalten, weil der erste in der Schlange bei Grün nicht sofort angefahren ist. Der Schwertransport scheppert ohrenbetäubend zwei Meter vor deiner Nase an dir vorbei, bei jeder Bodenschwelle krachen die einzelnen Elemente des Schwertransporters.

Am Bahnhof hat es der Pendler auch nicht leicht: krächzende, statische und knackende Durchsagen. Am Gleis gegenüber ein Streit zwischen zwei Betrunkenen um den letzten Schluck Schnaps. Die „Tussi“ neben dir quietscht und brüllt unter Tränen in ihr Handy, das ganze Gleis weiß nun das Torben, ihr Freund, mit ihrer besten Freundin geschlafen hat und zu guter Letzt fährt, mit quietschenden und ohrenbetäubenden Bremsen, der nächste Zug ein.

Am Arbeitsplatz Telefongeklingel, Heckenscheren, Motorgeräusche, Bohrer, Hämmer, Presslufthämmer, Bagger, einzelne Stimmen, die versuchen sich zu übertrumpfen, aus jeder Ecke eine anderer Radiosender usw.

Der Arbeitstag ist geschafft, der Weg nach Hause noch nicht. Im Bus neben dir hört jemand so laut Technomusik, dass deine Trommelfelle vibrieren. In Autos neben dem Bus liefern sich die Fahrer einen Wettbewerb, wer am häufigsten und am längsten hupen kann (keiner kann vor und zurück), eine gesteigerte Fortsetzung des „Konzertes“ vom Morgen, der Schopper neben dem Bus knattert lautstark aus allen Rohren, zwischendurch dreht der Fahrer am Gas, nur um zu zeigen, dass er es kann, und wie laut seine Maschine sein kann – vorrübergehende Passanten schrecken zusammen.

Auf den letzten Metern bis zu deiner Wohnung, du hast es fast geschafft, da rauschen drei Krankenwagen an dir vorbei und just auf deiner Höhe schalten sie ohne Vorwarnung ihr Martinshorn ein, ein gefühlter Herzinfarkt und Tinnitus sind die Folge.

Endlich zu Hause nach einem Tag voller Geräusche, einige angenehm andere weniger, hoffst du auf einen ruhigen Abend, doch der ist noch mindestens einige Stunden entfernt. Deine Nachbarn wissen nicht, dass man Türklinken auch benutzten kann, also hörst jede Tür, die jenseits der Wand zugeschlagen wird. Auf der Straße probieren die Halbstarken ihre aufgemotzten Autos aus,  treiben die Drehzahl der Motoren in die Höhe und lassen riesige Auspuffrohre röhren.

Langsam bricht die Nacht herein und endlich, endlich ist etwas Ruhe, doch du hast die Rechnung ohne die Kinder von nebenan gemacht, die regelmäßig bis in den späten Abend schreiend durch die Wohnung rennen; dein Wasserglas vibriert wie in Jurassic Park und du befürchtest, die Bilder fallen von den Wänden.
Nach endlosen, zähen Stunden endlich schlafen, aber Einsätze von Polizei, Feuerwehr oder Krankenwagen heulen  immer wieder durch die Nacht. Das elektrische Summen der Straßenlaterne oder die quietschenden Reifen an der Ampel machen die Nacht genauso unruhig wie Nacht davor und die davor. Müde und unausgeglichen beginnt der nächste Tag, erneut navigierst du eher schlecht als recht durch deinen lärmgeplagten Alltag.
Das folgende ist wirklich passiert:

22:30 Uhr: aus der Wohnung jenseits der Wand poltern seit nun mehr als vier Stunden trampelnde Füße. Ich entschließe mich, meine Nachbarn aufzusuchen, um sie zu bitten Ruhe zu geben, da es doch schon recht spät ist und ich ins Bett will. An der Tür kommt mir ein kleines Mädchen, vielleicht 2 ½, neugierig entgegen, ihr folgt der Vater mit einem Säugling auf dem Arm; er weiß was ich will, es ist nicht erste Unterhaltung. Es folgt eine sinnlose Diskussion über Ruhestörung und Lärmbelästigung. Er verteidigt seine Sichtweise (natürlich) und ich selbstverständlich meine. Ich hoffe auf ein wenig Verständnis, doch im Laufe des Gesprächs fallen dann zwei Sätze, die ich bis heute nicht vergessen habe:
 
„…man kann Kindern nicht sagen, wann sie schlafen gehen sollen…“
„…im Krieg konnten die Menschen auch schlafen…“
 
Nach diesen Aussagen war das Gespräch für mich zu Ende und ich bin gegangen; an diesem Abend war kurze Zeit später Ruhe, doch es war nicht unsere letzte Auseinandersetzung.

In völliger Geräuschlosigkeit können die meisten Menschen körperliche und seelische Probleme bekommen, das haben Versuche in schalltoten bzw. reflexionsarmen Räumen gezeigt, hier wird der Ton geschluckt und nicht zurückgeworfen. Bei Stille empfinden viele Menschen Angst oder Verlassenheit, und das Fehlen von Resonanz macht viele beklommen, die Stille wird als Isolation wahrgenommen und eher negativ bewertet. So kommt es sicherlich, dass Viele die seltene relative Stille kaum ertragen können und sich selbst dauerbeschallen – Radio, Fernsehen, Musik. Vielleicht ist auch der bewusste Umgang mit Stille weitgehend verlernt worden.

Lärm kann tiefschürfende Folgen und Auswirkungen auf den ganzen Organismus haben. Die Atem- und Herzfrequenz erhöht sich, der Blutdruck steigt, zudem können Veränderungen der Hirnströme, der Muskelaktivität und des elektrischen Hautwiderstands gemessen werden. Nicht nur extrem laute Geräusche können schädigen, auch dauerhafter Lärm mit niedrigerem Geräuschpegel kann gesundheitliche Folgen haben.

Auch wenn sich der Körper an die akustischen Reize gewöhnt, kann er weiter auf Psyche und Körper wirken, er kann den biologischen Rhythmus stören und Schlafstörungen verursachen.
Im Schlaf nimmt das Ohr pausenlos hörbare Geräusche auf und verarbeitet sie. Da Lärm den Körper aktiv hält, sind viele Menschen mit Einschlafproblemen belastet. Laute und Geräusche verkürzen die wichtige REM-Phase, somit ist die Erholung eingeschränkt. Beständige Geräusche ab 30 dB (Dezibel), das ist ein Flüstern, können zu Schlafproblemen führen. Bei Zimmerlautstärke (45 dB) scheiden Personen vermehrt Stresshormone aus. Je länger und stärker die Beschallung, desto schlimmer die Auswirkung.

Lärm kann zu folgenden Beschwerden und Reaktionen führen:

  • Erhöhtes Bluthochdruck- und Herzinfarktrisiko
  • Gehörschäden, Hörermüdung, Tinnitus
  • Verminderte Durchblutung
  • Kopfschmerzen
  • Kommunikations-, Lern- und Konzentrationsstörungen
  • Beeinträchtigte Leistungsfähigkeit
  • Beeinträchtigung im sozialen Verhalten, zum Beispiel durch erhöhte Aggressivität / Gereiztheit
  • Hormonelle Reaktionen: Nicht nur dauerhafte, auch kurzfristige Lärmbelastung kann die verstärkte Ausschüttung von Hormonen wie Adrenalin bewirken, welches den Stoffwechsel beeinflussen kann.
  • Psychische Beeinträchtigung, durch das Gefühl der Belästigung
  • Erhöhtes Unfallrisiko

Bei Kindern können Angstsymptome auftreten, beispielsweise eine erhöhte Schreckhaftigkeit. Lärm kann die Aussprache stören und die intellektuelle Leistungsfähigkeit gefährden.

„Es gibt vielerlei Lärm, aber es gibt nur eine Stille.“
Kurt Tucholsky (deutscher Journalist und Schriftsteller 1890-1935).                                                                                                                                               C.G

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