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Das Schicksal als positiver Lebensbegleiter

Das Schicksal als positiver Lebensbegleiter

Ich habe vor drei Jahren eine gute Freundin verloren; wir haben uns ziemlich gestritten, unsere Freundschaft war etwas sehr besonderes.
Wir haben sehr viel zusammen gemacht, doch 2011 zog sie nach Berlin. Wir verloren uns zwar nicht aus den Augen, aber die Entfernung tat weh, aber was sollten wir tun?

Als sie noch in Oberhausen wohnte, waren wir unzertrennlich, wir machten wirklich alles zusammen.
Jedes Wochenende schlief ich bei ihr, wir machten DVD Abende, kochten immer was zusammen, manchmal gingen wir feiern oder ins Kino, oder wir fuhren zusammen nach Venlo.
Es wurde nie langweilig, immer hatten wir was zu lachen oder zu sprechen, die Themen gingen uns nie aus.
Ich könnte euch so viele lustige Anekdoten erzählen, aber das wäre zu viel, um es niederzuschreiben.

Wie gesagt, durch einen Streit haben wir den Kontakt abbrechen lassen. Ich habe sehr gelitten, aber ich wollte es mir eigentlich nicht eingestehen und habe immer wieder versucht, diese Freundschaft zu vergessen.
Dazu muss ich sagen, dass ich noch nie im Leben davor eine so tolle, enge Freundschaft hatte, ja, man könnte es fast freundschaftliche Liebe nennen, die wir zueinander hatten.

Dann gab es diese sogenannten Momente, bei denen man an die Vergangenheit erinnert wird.
Sei es ein Lied, oder auch eine Person, die dich an jemanden erinnert, in diesen Momenten wird man gezwungen sich zu erinnern.
Zu oft zerrt der Schmerz an der Seele, es zerreißt einen innerlich total.
Immer wieder wurde mir bewusst, dass mir das ganze doch nicht so egal sein kann, wie ich dachte.

Im November 2015, drei Jahre nachdem wir den Kontakt abgebrochen hatten, meldete sie sich und wir verabredeten uns auf einen Kaffee.
Ich weiß es noch wie heute, wie ich damals fühlte, als ich ihren Namen auf dem Display meines Handys sah.
Ich war so durcheinander, dass ich anfangs erst einmal abweisend schrieb, ich hatte Angst, verletzt zu werden, obwohl sie die Person war, die mich nie verletzt hatte, sondern eigentlich immer für mich da war.
Ich war ziemlich durcheinander, als der Tag kam und wir uns wieder sehen sollten, aber natürlich versuchte ich, mir dieses nicht in ihrem Beisein anmerken zu lassen.
Als sie ankam wurde mir schlecht und ich wusste im ersten Moment überhaupt nicht, wie ich mit ihr umgehen sollte.
Die Übelkeit stieg in mir hoch, wie Lava in einem Vulkan. Ich hatte das Gefühl, dass ich mich übergeben müsse und schluckte den in mir aufkeimenden Würgreiz immer wieder herunter.
Als es schellte torkelte ich mehr oder weniger zur Türe und betätigte mit zitternden Händen den Türöffner; als sie hoch kam und ich sie auf der Treppe sah, hatte ich Herzrasen.
Wir begrüßten uns sehr förmlich, nicht wie damals mit einer heftigen Umarmung, sondern einfach nur mit einem festen Händedruck.
Ich bat sie in meine Küche und schüttete uns Kaffee ein, den ich vorher schon aufgesetzt hatte.
Kennt ihr diese peinlichen Momente zwischen zwei Menschen? Keiner sagt etwas, man sitzt sich gegenüber und jeder starrt den anderen an?!
Diesen Moment hatten wir und ich wurde unruhiger, denn ich war so durcheinander, dass ich nicht mehr in der Lage war etwas von mir zu geben.
Sie fragte dann irgendwann was damals los gewesen war, warum ich so war (ja, ich war größtenteils Schuld daran, dass die Freundschaft zerbrach, aber ich steckte schon in meiner depressiven Phase und mir war alles egal).
Ich erzählte ihr ein wenig und sie unterbrach mich nicht. Im Gegenteil, sie hörte mir sehr aufmerksam zu, so kannte ich sie eigentlich gar nicht.
Nach einer Stunde fuhr sie wieder und ich dachte mir: So, das war es jetzt. Aber ich hatte mich getäuscht; wir schrieben uns öfters über Facebook und irgendwann tauschten wir auch unsere Handynummern aus.

Ich hatte im März Geburtstag und plante eine Feier und da dachte ich, warum sollte ich sie nicht dazu einladen.
Gesagt getan. Und ihr werdet es nicht glauben- sie kam aus Berlin!!
Wir verbrachten ein wunderschönes Wochenende, unterhielten uns viel, lachten über alles Mögliche und ich hatte das Gefühl, dass diese drei Jahre, in denen wir keinen Kontakt hatten, gar nicht existierten.
Sie schlief zwei Nächte bei mir und als wir uns dann verabschiedeten, wollte jede so schnell wie möglich weg, denn irgendwie tat es weh, sich wieder zu verabschieden.
Als sie weg war, konnte ich das erste Mal diese Situation wirklich begreifen und ich fing an zu weinen, aber nicht aus Trauer, sondern aus ganz anderen Gründen.
Ich weinte vor Freude, vor Überforderung und vor allem, weil ich es nicht begreifen konnte, dass wir es doch noch einmal geschafft hatten, uns an einen Tisch zu setzen.
Ich ließ meinen Tränen aber freien Lauf, warum sollte ich sie unterdrücken?! Es ist wichtig, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen, das habe ich in all den Jahren meiner Therapie gelernt.
Ich fuhr zu meinem Pflegepferd und kuschelte mich eng an seinen warmen Körper, die Nähe des Tieres tat mir in diesem Moment wirklich gut, sie gab mir Geborgenheit und das Gefühl nicht alleine zu sein.
Ich hätte es niemals für möglich gehalten, meine beste Freundin von damals noch einmal wieder zu sehen, aber ich denke wenn das Schicksal es so will, dann sollte man sich nicht dagegen wehren, sondern einfach darüber glücklich sein.

D.B.

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