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Der Physikus-Eine Analogie

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Der Physikus-Eine Analogie

Ich kann mich noch gut an die zehnte Klasse erinnern, Samstag-Schule. Ab 8.00 erst mal 2 Stunden Sport zum richtig auspowern und, welche Ironie, danach 2 Stunden Physik. Als ob nicht alles noch schlimmer kommen könne. Umgekehrt wäre meinem Erachten nach besser gewesen, aber die Lehrpläne, nene. Die kurze Pause dazwischen zum erholen, wofür ein Schnittchen und ein Pülleken Bier meist herhalten mussten. Und danach ging die Post dann richtig ab. Ich komme sogar  heute aus den Lachattacken nicht mehr raus, wenn ich daran denke. Unser Physiklehrer, Herr soundso, war ein richtig netter Physiklehrer, so wie man sich eben einen richtig netten Physiklehrer nur vorstellen kann. Aber irgendetwas lief bei ihm richtig schief, wie der zerstreute Professor sozusagen. Erst einmal der Physiksaal, der verblüffende Ähnlichkeit mit einem Miniatur-Hörsaal einer Universität hatte oder als Klassenfoto zu beschreiben, wo die erste Reihe hockt, die zweite Reihe sitzt und die dritte Reihe steht. Natürlich auch ausgestattet wie ein richtiger Physikraum nur auszustatten war. Es durfte die schöne alte Kreidetafel nicht fehlen und das Riesenpult spottete aller Beschreibung. Darauf hätte man locker Badminton oder Minigolf spielen können.

Unter anderem gab es da auch einen Pfaffen, der jeden Tag in der großen Pause seine Hundertstel-Millimeter geschnittenen Appel-Viertel verspeiste und sich dabei von einer großen Schar Schüler umgarnen ließ. Der Pfaffe, der zuhause über eine große Kinderschar verfügte, war der Meinung partout keine Steuern zahlen zu müssen, wobei paradoxerweise Jesus in der Bibel doch sagte, dass wenn man doch zwei Hände habe, damit arbeiten gehen und ergo auch dann Steuern zahlen müsse. Klingt zumindest für mich irgendwie logisch.
Da dieses ca. 30 Jahre her ist, kann man davon ausgehen, dass der Herr Pfarrer mit seiner gottgesegneten Großfamilie mittlerweile Privatinsolvenz anmelden musste oder wegen Steuerschuld lebenslänglich hinter Gittern schmort oder eventuell auch nach Guantanamo verschleppt wurde. Ich zumindest hab ihn nicht mehr gesehen.

Nun aber zurück zu dem richtig netten Physiklehrer den ich auch mal öfters privat traf, da er in unmittelbarer Nachbarschaft wohnte. Wie er mich wissen ließ, nahm er sich vor, einen Commodore  (C64 von anno dazumal) zu kaufen und wie durch einen Zufall hatte ich damals einen Bekannten, der in einem Elektrogroßmarkt arbeitete und Prozente bekam. Gesagt getan, einen Deal eingefädelt und der Lehrer bekam den Rechner mit Prozenten.
Wie er mich aber nach einer Woche wissen ließ, hatte er ihn umgetauscht wegen weil kaputt. Tage später ließ er mich wissen, dass er das Gerät wieder umtauschte aus dem gleichen Grund. Unglaublicherweise nach ein paar Tagen dasselbe Spiel.
Nun muss ich den richtig netten Physiklehrer leider als Plörrebirne bezeichnen, denn wie er mir erzählte war die Staubnudel gar nicht kaputt, sondern er hatte das Teil lediglich falsch bedient, wie er mir dann auch beschämt eingestand. Die bei mir immer häufiger anfallenden Lachattacken wurden mir langsam zum Freund. Weiter dazu später.

Jetzt weiter zurück zu dem richtig netten Physiklehrer. Nett war er ja, aber er hatte ein Talent, dessen Beschreibung in der Syntax meines Wortschatzes nicht mehr vorkommt. Kaum fing der arme Mann mit dem Experiment an, das er mit viel Mühe aufbaute,  fiel es zu seinem Leidwesen sogleich wie ein Kartenhaus zusammen, aber nicht ausnahmsweise, sondern immer.
Den leidigen Rest der Doppelstunde war der Physikus damit beschäftigt die Einzelteile aufzuheben und wieder aufzubauen, wobei gleich alles wieder in sich zusammenfiel, was natürlich zum Leidwesen dieses vom Pech verfolgten Mannes, wie man sich vorstellen kann, zu heftigen Lachanfällen seitens auf der Miniaturhörsaalbühne befindlichen Schüler führte. Schließlich wurden die Lacher dann doch zu meinem besten Freund.

Fazit:  Hätte der richtig nette Physiklehrer sich lieber eine Märklin-Eisenbahn zusammengebastelt, Carrera Bahn gespielt oder einen Weltrekord im Luftballonaufblasen aufgestellt, hätte er wahrscheinlich besser da gestanden. Denn schlussendlich haben wir Ihn ja nicht ausgelacht, sondern über die Aktionen die er gebracht hat. Saukomisch und absolut irrational

Stefan.van Buer 19

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