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Die Weihnachtsüberraschung

Die Weihnachtsüberraschung

Kapitel 1
Wie an jedem Montag fiel es mir schwer aufzustehen, das Wochenende war viel zu kurz, wie immer.
Ich hielt mir vor Augen, dass es schließlich nur noch vier Wochen bis Weihnachten sin7d und ich dann auch zwei Wochen Urlaub hätte.
Ich ging schnell unter die Dusche, setzte Kaffee auf und frühstückte schnell.
Der Kaffeeduft durchströmte meine ganze Wohnung, es war für mich der schönste Geruch am Morgen.
Gegen 08.00 Uhr kam ich, nachdem ich eine gefühlte halbe Stunde im Stau gestanden habe, auf der Arbeit an.
Irgendetwas war anders als sonst, aber ich konnte mir nicht erklären, was es war.
Meine Kollegin, mit der ich mir ein Büro teile, schrie schon von weitem über den Flur ein gut gelauntes „Guten Morgen Dani“, wobei ich mich frage, woher sie weiß, dass ich es bin, die den Flur herunter kommt.
Ich hasse meinen vollen Namen – Daniela – ich habe schon als Kind darauf bestanden, dass man mich Dani nennt.
Meine Mutter meint, mit 32 Jahren würde ein Spitzname nicht mehr passend sein, aber ich sehe das anders.
Meine Kollegin Verena kam mir schon aufgeregt entgegen, ich merkte, dass sie total spannende Neuigkeiten hat, die sie unbedingt sofort los werden muss.
„Dani, hast du es schon gehört?! Wir bekommen ab heute einen neuen Juniorchef, es soll sich Einiges ändern in unserer Abteilung.“ Okay, denke ich, warten wir mal ab, was wir dieses Mal für einen arroganten Schnösel vorgesetzt bekommen.
In aller Seelenruhe packte ich meine Sachen aus, packte meine Jacke in den Schrank und fuhr meinen PC hoch.
Ich bin ehrlich – es ist nicht mein absoluter Traumjob als Industriekauffrau zu arbeiten, aber in der heutigen Zeit sollte man froh sein, wenn man überhaupt Arbeit hat.
Verena konnte es natürlich nicht akzeptieren, dass ich ihre so wahnsinnig spannende Neuigkeit nur mit einem „Okay“ beantwortet habe, deswegen legte sie weiter los „Stell dir vor, Dani, vielleicht ist er gut aussehend, du bist doch noch Single.“ Ja, da war dieses Thema was ich versuchte komplett zu verdrängen, aber dank Verena wurde ich jeden Tag aufs Neue damit konfrontiert.
Ich war sauer und sagte deswegen nur schnippisch „Verena, es mag ja sein, dass ich Single bin, aber ich habe es wirklich nicht nötig mich einem Chef an den Hals zu werfen. Außerdem genieße ich mein Leben auch allein, nur weil du mit 17 schon zum ersten Mal Mutter geworden bist und nicht viel von deiner Jugend hattest, brauchst du jetzt nicht eifersüchtig sein!“ Natürlich verstummte sie und schaute mich zutiefst verletzt an, aber so hatte ich wenigstens meine Ruhe und konnte mich meiner Arbeit widmen.
Verena ist diese Art von Frau, die relativ früh Mutter geworden ist und früh geheiratet hat. Ich mag sie, das ist keine Frage, aber sie oft sehr nerv tötend.
Ich war so in meine Arbeit vertieft, dass ich nicht bemerkte, dass unsere Tür aufgerissen wurde und sich der neue Chef höchstpersönlich vorstellte.
Erst als er direkt vor meinem Tisch stand registrierte ich und schaute zu ihm auf.
Ich habe noch nie zuvor in meinem Leben so wunderschöne grüne Augen gesehen. Dieser Mann schenkte mir sein strahlendstes Lächeln und stellte sich auch sofort vor „Guten Tag, Frau Müller, mein Name ist Richter und ich bin ab heute für Ihre Abteilung zuständig.“
Ich strahlte ihn nur an und war nicht in der Lage auch nur ein Wort über meine Lippen zu bringen.
So schnell wie er reingekommen ist, verschwand er auch wieder.
Von diesem Tag an wusste ich, dass es mir von nun an nicht mehr schwer fallen würde früh aufzustehen.

Kapitel 2
Ich war die ganze Nacht wach und stand eine Stunde eher auf als sonst.
Ich zog mich mehrmals um, bis ich das perfekte Outfit fand; bis zum heutigen Tage war es mir eigentlich egal, was ich trug, aber heute war es mir sehr wichtig.
Im Normalfall schminkte ich mich nie wirklich für die Arbeit, aber heute trug ich den passenden Lidschatten zu meinem Outfit auf, tuschte mir die Wimpern und wählte einen Lippenstift der Farbe Apricot.
Als ich gegen 08.00 Uhr das Büro erreichte, klopfte mir das Herz schon bis zum Hals und ich schaute links und rechts, ob ich vielleicht irgendwo Herrn Richter sehen würde – leider war dies nicht der Fall.
Im Büro angekommen begrüßte ich Verena, die aber immer noch beleidigt war und mich keines Blickes würdigte; sollte mir recht sein, so hatte ich wenigstens meine Ruhe.
In der Pause ging ich schnell auf die Toilette, um mein Make-Up noch einmal ein wenig aufzufrischen.
Ich legte meinen Lippenstift noch einmal auf, als die Tür aufging und Herr Richter sich peinlicherweise in der Damentoilette verirrt hatte.
Ihm war die Situation genauso unangenehm wie mir. „Guten Morgen Frau Müller, ich habe mich verirrt, es tut mir Leid. Ich möchte Ihnen auch nicht zu nahe treten, aber sie haben den Lippenstift etwas falsch aufgetragen.“ Mit einem frechen Grinsen schloss er die Tür und verschwand. Ich schaute in den Spiegel und hätte schreien können – ich hatte den Lippenstift mehr an meinem Kinn als auf den Lippen.
Ich beseitigte das Malheur und ging zurück in mein Büro, in dem mich Verena überraschenderweise sofort ansprach. „Dani, du sollst sofort zum Chef, er muss wohl dringend mit dir reden.“ Mein Herz schlug mir bis zum Hals, als ich den Korridor hinunter ging.
Ich klopfte an die Tür und ging hinein.
„Frau Müller, sehr schön, dass Sie sofort in mein Büro gekommen sind. Ich müsste mit Ihnen etwas besprechen, aber erst einmal möchte ich Ihnen sagen, dass sie mit dem Lippenstift auf den Lippen viel schöner aussehen.“ Sein Lächeln brachte mich schon wieder aus der Fassung, aber ich versuchte mich zusammen zu reißen und erwiderte nur ein „Danke sehr. Was möchten Sie denn nun besprechen?“ „Ich habe gehört, dass Sie, Frau Müller, sehr begabt im Umgang mit Kunden sind und ich würde Sie gerne heute Abend zu einem wichtigen Geschäftsessen mitnehmen. Damit Sie es von Anfang an wissen: ich möchte Sie nicht als Kollegin, sondern als meine Verlobte vorstellen, denn bei vielen Kunden kommt dies sehr gut an.“ Ich war sprachlos, aber ich nickte und stimmte diesem zu. „Nun gut, Frau Müller, dann lassen Sie uns diesen Abend besprechen. Erst einmal sollten wir das förmliche SIE weglassen, mein Name ist Sven, ich bin 38 Jahre alt. Nun bist du dran, erzähle mir etwas über dich.“ Ich war immer noch erstarrt und musste meine Fassung erst einmal wieder erlangen. Was sollte ich von mir erzählen? „Hallo Sven, mein Name ist Daniela, aber ich werde lieber Dani genannt. Ich bin 32 Jahre alt und seit 3 Jahren Single.“ Boom, wieso erzähle ich ihm das?! Oh Gott, noch peinlicher geht es wohl nicht. „Dani, sehr schön, dich kennen zu lernen. Ich bin seit einem halben Jahr Single. Ich hole dich heute Abend um 18.00 Uhr bei dir zu Hause ab. Ich weiß ja durch die Mitarbeiterakte, wo du wohnst. Ich muss jetzt leider ein Gespräch führen. Solltest du noch Fragen haben, stelle sie mir heute Abend auf dem Weg zum Restaurant.“
Ich stand auf, ging in mein Büro und machte heute drei Stunden zu früh Feierabend.

Kapitel 3
Pünktlich um 18.00 Uhr klingelte Sven bei mir. Ich hatte mich hübsch gemacht. Ich trug mein schwarzes Cocktailkleid mit den schwarzen Pumps, hatte mir meine blonden lockigen Haare heute geglättet und ein schlichtes Make-Up aufgelegt.
Als ich in seinen Wagen stieg merkte ich seine Blicke sofort auf mir. „Du siehst toll aus, einfach wow!“ Seine Worte taten mir gut, denn ich merkte, dass ich alles richtig gemacht habe.
Als wir am Restaurant ankamen, war ich total angespannt; ich hoffte, dass ich seinen Erwartungen entsprach und ich das erfüllen konnte, was er sich an diesem Abend von mir wünschte.
Er ging zum Empfang und sagte, er habe einen Tisch für vier Personen reserviert und er möchte nun wissen, welcher Tisch es denn nun wäre.
Der Ober führte uns an den Platz. Wir bekamen einen Aperitif und warteten, dass der Kunde endlich erscheinen würde. Gegen 18.45 Uhr kam ein älterer Mann mit einer Frau, die in meinen Augen bestimmt 20 Jahre jünger war als er, an unseren Tisch und stellten sich als Herr und Frau Schneider vor. Sven setzte sein strahlendstes Lächeln auf und stellte mich sofort als seine Verlobte vor. Ich bemerkte, dass ich unter meinem Rouge rot wurde und feierte meinen Entschluss, mich für Make-Up entschieden zu haben.
Das Geschäftsessen verlief gut. Sven und Herr Schneider wurden sich schnell einig und so gingen wir vier in den gemütlichen Teil des Abends über. Herr Schneider erzählte uns, dass er nun seit 2 Jahren mit seiner Jaqueline verheiratet wäre und dass er und sie sehr glücklich miteinander sind.
Meiner Meinung nach interessierte sie sich nur für sein Geld, aber diese Meinung behielt ich natürlich für mich. Sie hauchte ihm einen Kuss auf die Wange und strahlte uns mit ihren gebleichten Zähnen an. Ich zuckte zusammen, als ich die Frage von Herrn Schneider hörte „Und, wann läuten bei Ihnen beiden denn die Hochzeitsglocken?“ Ich merkte, dass ich in diesem Moment auf meinem Stuhl hin- und her rutschte und hoffte inständig, dass Sven die Beantwortung dieser Frage für mich übernahm. „Wir sind gerade erst verlobt, ich denke, nächstes Jahr im Spätsommer werden wir uns das Ja-Wort geben.“ Ich war erleichtert. Ich konnte gar nicht so schnell die Erleichterung zulassen, denn auf einmal hatte ich seine Hand auf meinem Knie; ich zuckte unbewusst zusammen. Schweiß brach mir aus jeder Pore meines Körpers und ich war mit dieser Situation restlos überfordert. Er streichelte mein Bein und ich muss ehrlicherweise zugeben, dass ich mich auf kein Gespräch mehr konzentrieren konnte, deswegen bekam ich auch nicht mit, dass Frau Schneider mich etwas fragte. „Und, möchten Sie Kinder, Frau Müller?“ Ich bat sie, die Frage noch einmal zu wiederholen, was sie wieder einmal mit ihrem strahlendesten Lächeln sofort tat. „Ja, ich möchte Kinder“, antworte ich. „Sven und ich möchten eine große Familie haben, mit mindestens drei Kindern und einem Hund“. Oh Gott, meine Fantasie ging mit mir durch. Ich schaute Sven an und nahm seine Hand, einfach so, ohne darüber nachzudenken. Er lächelte mich an und drückte meine Hand ganz fest. Ich genoss seine Nähe, sie tat mir gut und ich wünschte mir, dass der Abend nie enden würde.

Kapitel 4
Er fuhr mich nach Hause und wünschte mir noch einen schönen Abend. In diesem Moment fasste ich meinen ganzen Mut zusammen und fragte ihn, ob er nicht noch auf einen Sekt mit in meine Wohnung kommen wolle. Der Abend war schließlich sehr gut gelaufen und ich dachte, darauf sollten wir anstoßen.
Sein Lächeln verriet alles, ich glaube er hatte auf diese Frage gewartet.
Er bejahte meine Frage und wir gingen hoch in meine Wohnung.
Er sah sich um „Sehr gemütlich hast du es hier, sehr liebevoll eingerichtet, da fühlt man sich sofort wie zu Hause“. Dieses Kompliment nahm ich sehr gerne an.
Ich holte zwei Sektgläser, öffnete den Sekt und wir saßen auf meinem Sofa. DIESER  Mann auf MEINEM Sofa – der Traum, den ich seit unserem ersten Kennenlernen vor ungefähr 36 Stunden hatte, wurde wahr.

Wir unterhielten uns über belanglose Dinge, die Zeit verging wie im Flug.
Ich merkte, dass ich die Augen nicht von ihm lassen konnte. Ich genoss es ihn anzuschauen und ja, ich hatte Gedanken im Kopf, mein Kopfkino war bereits angestellt, aber ich ließ es mir nicht anmerken.
„Dani, was du heute für mich getan hast war sehr nett von dir. Ich danke dir, denn ich hasse es, wenn ich gefragt werde, ob ich liiert bin, zu sagen, ich wäre alleinstehend“, mit diesen Worten riss er mich aus meinen Gedanken. „Gerne Sven, wenn du wieder meine Hilfe brauchst, dann sage es.“
Wir schauten uns an und es kam der peinliche Moment des Schweigens.
Es war mittlerweile kurz nach Mitternacht, als er aufstand und meinte, er solle jetzt auch gehen.
Ich brachte ihn noch zur Tür und dann geschah das, was ich am wenigstens bei ihm vermutet hätte, aber ich mir am Meisten wünschte: er küsste mich. Es war der leidenschaftlichste Kuss, denn ich je von einem Mann bekommen habe und ich erwiderte ihn.
Ich wollte ihn jetzt nicht gehen lassen und schloss meine Wohnungstür, die er bereits geöffnet hatte, bevor wir uns küssten.
Da er meine Wohnung ja ausgiebig inspiziert hatte, wusste er natürlich genau, wo sich mein Schlafzimmer befand. Er hob mich hoch und trug mich hinüber; dort legte er mich sanft auf das Bett – natürlich ohne seine Lippen von meinen zu nehmen. Ich merkte, wie seine Hände vorsichtig meinen Körper abtasteten, er mich streichelte.
Ich wollte ihm noch näher kommen, jetzt und sofort. Ich konnte mein Verlangen nicht unterdrücken und gab nur einen kleinen Seufzer von mir. Er verstand diese Geste und zog mir langsam den Reisverschluss meines Kleides auf, sodass mein Oberkörper zum Vorschein kam. Er küsste meine Haut, zärtlich und liebevoll.  Ich genoss seine Nähe, seinen Atem auf meiner Haut, es war wunderschön. Mein Kleid lag mittlerweile auf dem Boden, mein BH landete daneben. Ich zog auch ihn langsam aus und begann ebenfalls, seinen Körper zu liebkosen. Ich fühlte mich wie ein Teenager beim ersten Mal – diese Aufregung war kaum auszuhalten. Wir liebten uns mehrmals diese Nacht, es war ein wunderschönes Gefühl, und in einer Pause musste ich an Verenas Worte denken: „Vielleicht ist es ja ein Mann für dich!“.Sie hatte recht – es war ein Mann, der mich faszinierte.

Kapitel 5
Als ich am nächsten Morgen erwachte, war mein Bett neben mir leer, nur ein Zettel lag dort: „Ich bin nach Hause gefahren, es war ein Fehler, schließlich bin ich dein Chef. Diese Nacht hätte nicht passieren dürfen. Bitte vergiss, was passiert ist.“
Ich fühlte mich wie vor den Kopf geschlagen und wusste nicht, ob ich heulen, schreien oder lachen sollte.
Ich entschied mich für das Weinen und verbrauchte an diesem Tag zehn Pakete Taschentücher.
Ich meldete mich krank, weil ich nicht wusste wie ich mit ihm umgehen solle, wenn er mir über den Weg laufen würde.
Ich versuchte ihn anzurufen, schließlich hatte er mir seine Handynummer gegeben. Er drückte mich einfach immer wieder weg, was mich natürlich nur noch mehr verletzte.
Am nächsten Tag ging ich zum Arzt und heuchelte ihm etwas von wegen Burn-Out vor und er schrieb mich bis nach Weihnachten krank, was mir sehr gut gefiel.
Ich erledigte einige Weihnachtseinkäufe, für meine Eltern und meine Schwester. Meine Schwester lebt in München und kommt wirklich nur zu Weihnachten, aber eigentlich nur, um Geschenke abzustauben. Meine Eltern schenkten uns meistens einen etwas größeren Geldbetrag und da kennt sie natürlich die Adresse, das ganze Jahr über ist sie nie zu sehen.
Ich mag meine Schwester nicht wirklich, obwohl wir als Kinder ein gutes Verhältnis hatten. Sie ist zwei Jahre jünger als ich und nimmt gerne Geschenke an, aber von ihr kommt nie etwas zurück.
Als ich einst über einen Weihnachtsmarkt ging, fand ich das passende Geschenk für meine Eltern – eine wunderschöne Kerze in Form eines Engels. Natürlich sollte dies nicht das einzige Geschenk sein, aber ich fand es sehr schön. Ich schlürfte hier und da einen Glühwein und genoss die harmonische Atmosphäre um mich herum. Die Luft war prall gefüllt von leckeren Gerüchen, aus den Lautsprechern drang romantische Weihnachtsmusik.
Es ging mir von Tag zu Tag immer besser, ich erlangte wieder neue Energie und fasste den Entschluss, dass ich nicht mehr in meinen Betrieb zurück kehren wolle.
Ich begann mich woanders zu bewerben und hoffte, dass ich irgendwo eine Zusage bekommen würde.

Kapitel 6
Heute war es soweit, der schönste Tag im Jahr war gekommen – es war Heiligabend.
Alle Menschen hatten Vorbereitungen zu treffen und auch ich hatte mir einen kleinen Weihnachtsbaum gekauft und war dabei, ihn zu schmücken.
Auf einmal klingelte es an der Tür und ich staunte nicht schlecht, dass meine Arbeitskollegin Verena davor stand.
„Dani, wie geht es dir? Ich habe mir wahnsinnige Sorgen um dich gemacht, du reagierst auf keinen meiner Anrufe. Was ist los? Kann ich dir helfen?“ Mit diesen Worten drängte sie sich in meine Wohnung und legte sofort ihre mitgebrachten, selbstgebackenen Plätzchen auf den Tisch.
Ich wollte an diesem friedvollen Tag nicht unhöflich sein und setzte sofort einen Kaffee auf.
„Es geht mir einfach nicht gut, Verena. Es ist etwas passiert, was nicht hätte passieren dürfen.“ Sie schaute mich nur mitfühlend an, aber erwiderte nichts und da platzte alles aus mir heraus. Ich konnte die Tränen nicht mehr zurück halten und schüttete ihr mein Herz aus. „Es fing alles an, dass Sven, ich meine Herr Richter, mich fragte, ob ich bei einem Geschäftsessen seine Verlobte spielen könnte. Du kennst mich, natürlich sagte ich ja, denn er gefiel mir sehr gut. Ich mochte seine Augen und auch sein Lächeln. Das Essen verlief sehr gut, wir spielten unsere Rolle als Paar so gut, dass uns die Kunden es auch abnahmen und uns alles Gute für die gemeinsame Zukunft wünschten. Ich bat ihn, nachdem er mich nach Hause gefahren hat, noch auf ein Glas Sekt mit in meine Wohnung zu kommen. Wir unterhielten uns gut, lachten und hatten Spaß. Als er gehen wollte, küsste er mich einfach, verstehst du, ER küsste mich! Du kannst dir denken, was dann geschah: wir hatten eine wunderschöne Nacht – er war so zärtlich, so liebevoll, ich kann es kaum beschreiben. Wir liebten uns nicht nur einmal in dieser Nacht. Irgendwann schliefen wir ein und als ich wach wurde, war er weg, nur einen Zettel hatte er mir hinterlassen, auf dem er mir schrieb, dass es ein Fehler gewesen wäre. Ein FEHLER!!!!“ Ich merkte auf einmal, dass ich schrie; meine Emotionen gehorchten mir nicht mehr, sie kamen über mich und ich war froh, dass ich sie endlich einmal aus mir heraus lassen konnte.
Verena schaute mich mit großen Augen an. Ich glaube sie musste diese Informationen erst einmal verarbeiten, also erzählte ich weiter. „Ich habe versucht mich weg zu bewerben, aber ich bekomme nur Absagen. Ich habe Angst, ihm wieder unter die Augen zu treten. Er soll nicht sehen wie ich leide, diese Genugtuung gebe ich diesem arroganten Blödmann nicht.“ Ich merkte, dass ich bereits wieder mit meinen Tränen zu kämpfen hatte. Wieso mussten sich Frauen immer so schnell verlieben?! Diese blöden Gefühle – wer hatte so einen Mist überhaupt erfunden?
Verena lächelte mich an und streichelte meinen Arm. „Dani, Liebes, beruhige dich. Ich kann deine Aufregung voll und ganz nachvollziehen, aber ich glaube du bist nicht die Einzige die leidet. Herr Richter hat sich vor vier Wochen, an dem Tag an dem du dich krank gemeldet hast, in eine andere Abteilung versetzen lassen. Ich bin der Auffassung, dass er genauso ein Problem wie du hat. Vielleicht solltest du ihn anrufen und ihr solltet reden, schließlich ist doch Weihnachten.“ Nein, garantiert nicht! Gut – vielleicht hat er sich versetzen lassen, aber hinter ihm her rennen?! NEIN!!!
Verena lud mich ein, den Weihnachtsabend mit ihr und ihrer Familie zu verbringen, aber ich lehnte dankend ab, denn ich wollte einfach nur meine Ruhe haben und mich mit meiner Flasche Wein auf die Couch zurück ziehen und kitschige Weihnachtsfilme schauen.
Es war schon spät am Abend, als es erneut an meiner Tür klingelte; ich wollte eigentlich schon bald zu Bett gehen.
Ich hatte meine Mutter in Verdacht, die mich mal wieder aus meiner Einsamkeit befreien wollte, aber dafür war es eigentlich schon zu spät.
Ich öffnete die Tür, doch es war niemand da, nur ein kleines Geschenk lag auf  meiner Fußmatte, also hob ich es auf und nahm es mit in die Wohnung.
Ich setzte mich wieder auf meine Couch und schenkte mir noch ein Glas Wein ein.
Auf dem Geschenk stand kein Absender, also öffnete ich es um zu schauen, ob ich vielleicht heraus finden könnte von wem es stammte.
Was sich in dem Geschenk verbarg, überraschte mich sehr: es war eine Weihnachtskugel mit einem Herzen als Motiv, in dunkelrot mit leicht vergoldeten Absätzen.
Ich verstand nur Bahnhof und trank mein Weinglas mit einem Zug leer.
Es klingelte erneut und es war dasselbe Spiel wie beim ersten Mal; es lag wieder ein Geschenk vor der Türe, diesmal etwas größer als beim ersten Mal.
Ich öffnete es erneut und staunte nicht schlecht, als dort zwei silberne Löffel in einem Karton lagen.
Um ehrlich zu sein, wurde es mir langsam ein wenig unheimlich und ich dachte an die ganzen Psychopathen, die einsame Frauen am Heiligenabend umbringen könnten.
Als es erneut klingelte, öffnete ich die Tür nur einen Spalt, in der Angst dass vielleicht ein Irrer vor der Tür stehen könnte.
Zu meiner großen Überraschung stand Sven vor meiner Tür und lächelte mich etwas unsicher an. In seiner Hand hielt er eine Glasschüssel, doch den Inhalt konnte ich nicht erkennen.
„Dani, ich wünsche dir frohe Weihnachten. Es tut mir so leid, was passiert ist. Bitte lasse mich hinein, dann können wir reden. Ich habe hier eine selbstgemachte Lebkuchencreme mitgebracht, die ich gerne mit dir essen würde.“ Aha, dafür waren also die Löffel, aber meinte er, er könne mich so wieder herum bekommen? Trotzdem ließ ich ihn eintreten.
„Es ist wirklich nicht schön gelaufen und ich weiß, dass ich einen großen Fehler gemacht habe. Du musst wissen, dass ich in meiner alten Firma  mit einer Mitarbeiterin zusammen war und sie mir das Leben zur Hölle machte. Sie verlangte Gehaltserhöhungen, mehr Urlaub und all solche Dinge, sonst würde sie unsere Affäre öffentlich machen. Du kannst dir vorstellen, was dies bedeutet hätte; ich war noch in der Probezeit und hatte Angst meinen Job zu verlieren. Letztendlich kündigte ich selbst, weil ich dieses Spiel von ihr nicht mehr aushielt. Ich hatte Angst, dass es wieder so laufen könnte, ich weiß dass das keine Ausrede ist, ich verlange auch nicht, dass du es verstehst – ich wollte es dir einfach erzählen.“ Ich schwieg und dachte über das nach, was er mir gerade erzählt hatte. Ja, ich konnte ihn verstehen, aber muss man mich dann so verletzen?! „Wieso hast du mir das nicht von Anfang an so gesagt, Sven? Ich hätte dir deine Angst nehmen können, denn ich bin nicht so jemand. Du hast mich sehr verletzt, ich habe gelitten und mich sogar schon woanders beworben.“ Er schaute mich an und ich sah, dass er Tränen in den Augen hatte. „Dani, ich hatte Angst, dass du mich für einen Mann hältst, der immer Affären mit seinen Angestellten führt, aber so jemand bin ich nicht. Es tut mir so leid, ich habe immer mehr gemerkt, dass du mir nicht egal bist und ich dich nicht vergessen kann. Wollen wir nicht noch einmal von vorne anfangen? Ich arbeite nicht mehr in deiner Abteilung, von mir aus können wir auch alles öffentlich machen, Hauptsache du verzeihst mir und gibst mir noch eine Chance.“ Er sah mich flehentlich an und ich konnte meinen Gefühlen nicht mehr widerstehen.
Ich küsste ihn einfach und damit war seine Frage beantwortet.
Wir redeten noch lange, was wir in Zukunft ändern könnten, damit nicht wieder so etwas passiert. Wir aßen die leckere Lebkuchencreme und tranken Eierpunsch, den er ebenfalls mitgebracht hatte.
Ich bat ihn, über Nacht zu bleiben. In seinen Armen fühlte ich mich geborgen und sicher, so schlief ich auch letztendlich ein.
Als ich am ersten Weihnachtstag erwachte lag er nicht mehr neben mir, sofort wurde ich unruhig und stand auf.
Aus der Küche kam der mir wohlbekannte Geruch von Kaffee, also ging ich hinein; was ich dort sah verschlug mir den Atem.
Der Tisch war liebevoll gedeckt, mit frischen Brötchen, Wurst, Käse und vielem mehr. Es leuchteten Kerzen, der Weihnachtsbaum erleuchtete in seinem schönsten Glanz und ganz leise hörte ich Weihnachtsmusik aus dem CD-Player tönen.
Sven lächelte mich an „Guten Morgen mein Engel, ich hoffe, du hast Hunger.“ Oh ja, ich hatte Hunger, ich war glücklich und zufrieden.
„Ja, ich habe großen Hunger“, erwiderte ich und lächelte ihn ebenfalls an, bevor ich meine Arme um seinen Hals schlang und ihn küsste.
Ich schwor mir, dass ich ihn heute mit zu meinen Eltern nehmen würde, denn ich wollte keine Sekunde ohne ihn sein.
„Ich liebe dich, Dani“, hauchte mir Sven in mein Ohr, „ …und ich liebe dich“, mit diesen Worten küssten wir uns unter dem von ihm auf gehangenen Mistelzweig.

D.B.

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