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Gesprächsfetzen

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Gesprächsfetzen

Kennt ihr das, wenn ihr in Situationen seid, in denen ihr nicht weghören könnt? Nicht, weil ihr unbarmherzige, neugierige Lauscher seid (naja gut, nicht nur…J), sondern weil Menschen auf der Straße an einem vorbei gehen oder weil man auf der Rolltreppe steht oder im Supermarkt an der Kasse.
Ich liebe diese Fetzen von Gesprächen, die man dann oft mitbekommt. Manche spannen einen echt auf die Folter, und man ist versucht, jemandem kurzzeitig zu folgen, um das Ende der Geschichte zu erfahren, bei manchen muss man unwillkürlich lachen oder den Kopf schütteln.

Hier einige meiner liebsten Fetzen, denn manchmal, wenn ich selbst etwas trüb bin, haben einige dieser Gesprächsbausteine, die nicht in meiner Welt entstanden sind, über Wochen noch die Macht, mich wieder aufzuheitern.

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Auf meinem Heimweg kamen mir zwei etwa 10jährige Mädchen mit Ranzen auf dem Rücken entgegen, die wohl ihrerseits auf dem Heimweg von der Schule waren. Dabei erzählte das eine Mädchen ihrer Freundin:
„Ich hab zwei, ein orangenes und ein schwarzes, und das Orangefarbene ist so orange und das Schwarze –„
Wupps, außer Hörweite. Ich möchte zwar weder vorgreifen noch jemandem Worte in den Mund legen, aber ich hätte meine linke Hand darauf verwettet (Das ist ok, ich bin Rechtshänderin), dass der Satz mit „schwarz“ weiterging. Baff wäre ich bei „rund“ oder „klebrig“ gewesen.

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Ich saß im Bus, direkt am Gelenk, am Fenster. Neben mir saß eine alte Dame. Da steigt eine junge Familie ein. Vater, Mutter, Sohn und Tochter, die Kinder zwischen 4 und 7.
Der Bus war recht voll, die Mutter setzte sich mit der jüngeren Tochter in den Zweier neben unseren, der Vater blieb mit dem Sohn im Gelenk stehen.
Da ältere Herrschaften ja oft den Drang haben sich zu unterhalten (Das find ich gar nicht schlimm! Ehrlich nicht! Ich mag es sehr, wenn sich ein alter Mann neben mich setzt und beginnt, von seiner kaputten Waschmaschine zu reden, obwohl ich gerade mitten im spannendsten Thriller bin!), und sich gerade bei Kindern ja nie wirklich gut zurückhalten können, sprach die Oma die Kinder an.
„Oh, na ihr seid ja hübsch!“ Was denkt man, sollte ein Kind auf sowas antworten? Genau, gar nichts. Der Junge starrte die Dame mit riesigen Augen an und drückte sich gegen die Beine seines Vaters, als wollte er durch sie hindurch hinter sie verschwinden.
„Sag, wo kommst du denn her?“ fragte die alte Dame völlig schmerzfrei weiter.
Da drehte sich der Junge halb um, zeigte auf die Unterleibsregion seines Vaters und sagte „Von da“.
Ein gut aufgeklärtes, schlagfertiges Kind!

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Ich stand am Bahnhof und wartete auf meinen Bus, da kam drei Generationen Frau an mir vorbei – Großmutter, Mutter, Tochter.
Plötzlich schreit das Kind, das hinter der Großmutter läuft:
„Boah neee, jetzt hat die Oma schon wieder voll gefurzt!“

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Eine Situation war wirklich kurios, da kamen mir zwei Männer entgegen, die über einen Motorradhelm redeten:
„Und weißte, du wirst nie erraten was der gekostet hat! Nie!“ – außer Hörweite. Das an sich war nicht besonders interessant, aber kaum waren die Beiden weg, kamen mir zwei Frauen entgegen, von denen die Eine vergnügt quietschte: „Waaas? Nein! Das ist ja nichts! Das ist ja fast geschenkt! Da hätt ich auch sofort zugeschlagen!“
Das hat auf eine Weise zusammen gepasst, dass ich es fast schon gruselig fand.

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In dieser Situation war ich auf einer Geburtstagsparty eingeladen, und ich kannte von all den Gästen vielleicht drei Leute. Das hält mich nicht ab, kontaktscheu war ich nie, daher hatte ich auch kein großes Problem damit, herumzustreunen und den ein oder anderen neuen Menschen kennen zu lernen. Da erlebte ich etwas, was ich ziemlich schlau fand – zwei wirklich aufeinander eingespielte
Freundinnen! Ich war sehr, sehr beeindruckt und bin es noch!
1:„Ja, dann ist der Mike auch da, und man, ich hatte gehofft der kommt nicht“
2:„“Jau, der merkt gar nicht, wie sehr er schon nervt, wenn er einfach nur neben einem steht“
1:„Ach Mist, da kommt er, war ja klar“
Mike: „Hallo, Mädels, worum geht’s?“
1: „Ich hab meine Tage, und ich hab dann immer so irre Krämpfe“
2: „Ich hab dann auch welche, als würde sich ein glühender Dolch im Unterleib rumdrehen“
1: „Tolle Unterwäsche anziehen kann man dann auch nicht, lohnt sich einfach nicht“
2: „Ja, immer wenn man denkt, man hats überstanden, blutet es auf einmal nach“
Mike: „Oooook, wir sehen uns noch“ – Wusch, weg.
2: „Gottseidank“
1: „Japp. Sollen wir Montag eigentlich in die Stadt? Jenny kommt dann wohl auch mit“…

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4

In der Bahn, hinter mir saßen Studenten, die in Partylaune waren, es war Wochenende. Ich sah sie nicht, aber ich hörte einen:
„Alter, ich bin so betrunken, auf einer Skala von eins bis zehn bin ich grün“

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Ein anderes Wochenende, selbe Situation: Ich auf dem Heimweg mit der Bahn, und mit mir steigen ein paar sichtlich angetrunkene (vermutlich) Studenten aus.
„Man, ich hab Durst“
Da gab einer dem Anderen einen vollen Plastikbecher.
„Und was ist das?“
„Mein Urin. In der Bahn war kein Klo“

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Zwei Mädels. Eine:

„Fischstäbchen wären total lecker, wenn nicht das glibberige weiße Zeug in der Mitte wäre!“

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Jetzt geht es mal nicht um ein Gespräch, sondern um eine Situation, die ich beobachten durfte, und die mich jedes Mal, wenn ich daran denke, erheitert.
Zwei ältere Herren standen an einer Straßenecke und verabschiedeten sich augenscheinlich voneinander, ich konnte sie leider nicht hören, nur sehen. Einer der Herren stieg in sein Auto – da es eine Ecke war, stand ein Auto direkt an der Ecke, und der Herr stieg in das Auto ein, das gleich dahinter stand. Er hatte nicht viel Platz und war relativ eingeparkt. Der andere Herr half ihm, indem er wedelnd zu verstehen gab, bis wo sein Freund immer fahren durfte, bis er wieder kurbeln musste. Das schien mir alles ziemlich anstrengend. Als es geschafft war und der autofahrende Herr nach einem letzten Winken davonbrauste, stieg der Zurückgebliebene plötzlich in das Auto, das direkt an der Ecke stand, also vorn die absolut freie Fahrt hatte, und fuhr davon. Das war reiner Slapstick.

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Ich hoffe, ich konnte euch ein Wenig amüsieren, und vielleicht mögt ihr derartige Fetzen ja genau wie ich. Wenn ihr es bisher noch nicht getan habt – haltet mal die Ohren bewusst offen, wenn ihr unterwegs seid… ihr werdet sicher auch das ein oder andere Lustige zu hören bekommen.

JK

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