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Halloween- Schrecken der Nacht

Halloween- Schrecken der Nacht

Ich freute mich jedes Jahr auf den 31.10., für die einen war es der Reformationstag, für die anderen Halloween und für mich war es das Ereignis des Jahres.
Das erste Mal feierte ich Halloween richtig, da war sechszehn Jahre alt, heute bin ich dreißig und freue mich immer noch so, wie ich es als Teenager tat.
Dieses Jahr war ich dran, die Party zu organisieren, meine Freunde und ich wechselten uns jedes Jahr ab.
Letztes Jahr war es meine beste Freundin Samira, die die Party organisierte.

Ich hatte mir etwas Besonderes einfallen lassen. Das Buffet sollte aus allerlei grausigen Gerichten bestehen, die Getränke sollten „verschönert werden“ und mein Haus würde jedem das Gruseln lehren.
Mein Budget lag bfledermaus-001ei 200 Euro, viele würden jetzt behaupten, dass es übertrieben wäre, aber mir war es der Spaß wert.
Ich fing Mitte Oktober an bestimmte Sachen einzukaufen, da ich Angst hatte, dass sonst auf einmal alles ausverkauft wäre.
Gummispinnen, abgehackte Hände, Totenköpfe und vieles mehr landeten in meinem Einkaufswagen, ich verbrachte im Dekorationsladen zwei Stunden. Es war wunderbar, die ganzen tollen, gruseligen Sachen durchzustöbern, am liebsten hätte ich alles eingepackt, aber ich wollte auch nicht übertreiben.

Am Tag vor Halloween fing ich an, manche Speisen zuzubereiten, die über Nacht noch ziehen mussten, oder meine selbstkreierten Bowle zuzubereiten, die den Namen „ Blutdurst an Halloween“ hieß.
Gut, wirklich einfallsreich war der Name nicht, aber mir gefiel er und er passte thematisch zu meiner Planung.
Und dann war es endlich soweit. Ich stand am Halloweenmorgen sehr früh auf, schließlich hatte ich noch einiges zu erledigen und vorzubereiten. Ich mag keinen Stress, deswegen schlafe ich lieber weniger.
Ich holte Tische aus meinem Keller, die ich immer nur hoch hole, wenn ich eine Party veranstalte.
Die Tische besprühte ich mit Spinnwebenspray, in die Spinnweben setzte ich die gekauften Gummispinnen, die wirklich sehr real aussahen.
Auch auf – und vor – Schränken sprühte ich künstliche Spinnweben. Mein Haus sah so aus, als ob es von Riesenspinnen eingenommen wurde.
Natürlich durfte auch ein selbstgeschnitzter Kürbis nicht fehlen, also setzte ich mich hin und fing an zu schnitzen. Eigentlich mag ich diese Arbeit, aber heute fand ich sie sehr anstrengend.
Nachdem ich damit endlich fertig war, kümmerte ich mich weiter um meine Dekoration. Einen Kürbis stellte ich vor die Haustür, die anderen verteilte ich in der Wohnung und stellte Teelichter hinein.
Die Totenköpfe stellte ich auf ein Sideboard und auf einen Tisch, einen hob ich mir auf.
Ich hatte einen Wackelpudding vorbereitet, darin befand sich eine abgehackte Hand, die demonstrativ nach oben heraus schaute. Ich war stolz auf mein Werk.
Den letzten Totenkopf stellte ich auf ein Tablett, drum herum legte ich Finger aus Teig, die einen Fingernagel aus Mandeln hatten.
Aus Litschis und Oliven fertigte ich Augäpfel an, die ich auf einer roten Soße platzierte.25
Das Buffet nahm allmählich Gestalt an, ich war mächtig stolz. Die Bowle war schön gekühlt, ich legte ein paar Würmer hinein, natürlich keine echten, sondern diese Weingummiwürmer.
Der krönende Abschluss, war ein Skelett, was ich an der Decke befestigte.
Mein Werk war fertig, das reichhaltige Buffet war aufgebaut, die Getränke kalt gestellt und die Dekoration war in meinen Augen sehr gut gelungen.

Jetzt fehlte nur noch eines. Ich musste mich noch fertigmachen.
Ich hatte noch eine gute Stunde Zeit, dann würden die Gäste schon kommen, also schnell nach oben und mich anziehen und schminken.
Ich hatte mich dieses Jahr für ein Vampirkostüm entschieden; dazu hatte ich die passende Schminke gekauft und natürlich Vampirzähne.

Ich war gerade fertig, da klingelte es schon an meiner Haustür. „Happy Halloween“, Samira umarmte mich stürmisch. Sie sah fantastisch aus; ihr Kostüm war das eines Zombies, sie hatte sich Kontaktlinsen in die Augen getan und ihr Gesicht sah aus, als ob es jeden Moment auseinander fallen würde.
„Wow, Samira, du siehst wunderbar aus. Ich habe dich fast nicht erkannt.“, wir beiden waren schon seit Schultagen die besten Freundinnen, jede wusste von der anderen jedes noch so kleinste Geheimnis.
Nach und nach kamen immer mehr Gäste, insgesamt hatte ich zwanzig Leute eingeladen.
Alle bestaunten die Dekoration und das tolle Buffet. Es wurde viel gelacht, es wurden Komplimente für die verschiedenen Kostüme gemacht und es wurde viel gegessen.
Gegen dreiundzwanzig Uhr kippte die Stimmung allerdings ein wenig, als plötzlich ein Stromausfall uns alle in Dunkelheit versetzte; nur die Teelichter, die ich in den Kürbissen angezündet hatte, verliehen uns noch ein wenig Licht.
„Komm Mia, mach das Licht wieder an.“, Benjamin, ein guter Freund von mir, dachte wohl, dass ich extra das Licht gelöscht hatte, aber damit lag er falsch.
Ich erklärte den anderen, dass ich damit nichts zu tun hatte und irgendwann schienen sie mir zu glauben.
Ich kramte noch ein paar Teelichter hervor und zündete sie überall im Haus an, damit wir wenigstens weiter feiern konnten.

fledermaus-001Auf einmal gingen alle Kerzen gleichzeitig aus, ein eisiger Windhauch durchströmte die einzelnen Räume, dabei hatte ich alle Fenster geschlossen.
Wir saßen nun in absoluter Dunkelheit und keiner sagte mehr etwas.
„Wow Mia, du hast dich selbst übertroffen.“, Samira grinste mich an, aber mir war nicht mehr zu Lachen zumute, schließlich drohte meine Party gerade ein Desaster zu werden.
Ein Poltern über uns erschreckte uns alle; es war dumpf und dann knarrte es.
„Kommt jemand mit nach oben und schaut mit mir nach, was da los ist?“, alleine wollte ich nicht nach oben, mir war das Ganze nicht mehr geheuer.
Vielleicht war ein Einbrecher ins Haus gedrungen?!
Benjamin erklärte sich sofort bereit und zusammen gingen wir die steile Treppe nach oben. Hier war nichts zu sehen, außer der Dunkelheit.
„Hier ist nichts, Mia. Nun sei ehrlich, hast du das alles inszeniert?“, ich schüttelte nur den Kopf, als auf einmal meine Schlafzimmertür knarrte und sich langsam öffnete.
Ich fing an zu zittern; selbst in der Dunkelheit konnte ich erkennen, dass Benjamin blass wurde.
„Glaubst du mir jetzt?“, fast triumphierend schaute ich ihn an.
Wir schlichen leise zu meinem Schlafzimmer, unten hörte man die anderen, die sich leise, flüsternd unterhielten.
Wir öffneten langsam die Schlafzimmertür, als wir von unten einen Schrei hörten. Wir gingen schnellen Schrittes nach unten, um zu sehen, was dort geschah.
Als wir am Treppenabsatz standen, wussten wir, warum jemand geschrien hatte.
Das Skelett, was ich auf gehangen hatte, bewegte sich und zeigte mit seinen knochigen Fingern auf mich, als es mich sah.
„D-u.“, mehr sagte es nicht und es kam auch nicht wirklich von ihm, mehr hörte es sich an, als ob eine unsichtbare Stimme im Raum war.
Samira stand in einer Ecke und klammerte sich an einen Typen, der die Begleitung von jemandem war.
Ich ging zum Skelett und nahm es ab, schon war es ruhig. Das ein oder andere Kichern war im Raum zu hören.
„Mia, Respekt. Gelungene Party“, sagte jemand.
„Oh mein Gott, was ist das?“, Benjamin zeigte auf die Zimmerdecke, wo sich ein schwarzes Loch bildete.
Ich ging näher heran, um es besser erkennen zu können.
Aus dem Loch kam schwarzer Nebel, alle drängten sich in die Ecken.

Der Rauch stieg herab und nahm die Gestalt eines schwarzen Wesens an, was sich genau in die Zimmermitte stellte.
Man erkannte kein Gesicht, oder Geschlecht, es war einfach nur schwarz und schwebte über dem Boden.
„I-i-i-c-c-h-h h-h-a-a-b-b-e-e H-u-u-n-g-g-e-e-e-r-r!“, mehr sagte es nicht.
Keiner meiner Gäste bewegte sich, alle waren blass und starrten dieses „Ding“ an, was sich langsam auf das Buffet zubewegte.
Es aß sich satt, unser Buffet war fast leer, als es wieder in die Mitte des Raumes schwebte.
Ich ging darauf zu, ich wollte es berühren, aber ich fasste in die Luft, ich konnte es einfach nicht berühren.
„Was bist du?“, meine Neugierde war größer, als meine Angst.
„I-i-c-c-h-h b-b-i-i-i-n-n d-e-e-e-r-r G-e-e-i-i-s-s-t-t d-e-e-r-r H-a-a-l-l-o-o-o-w-w-e-e-n-n-a-a-c-h-h-h-t-t.“, stammelte es.25
Bevor ich etwas sagen konnte, drehte es sich zu mir um und ich sah sein Gesicht.
Ich erschrak, aber nicht, weil es so grausam aussah, sondern, weil ich ein kindliches Gesicht sah.
Die Augen waren rot, die Haut war weiß, fast durchsichtig.
Es drehte sich wieder weg und der schwarze Nebel stieg empor.
Alle schauten zur Decke, teilweise mit offenen Mündern, keiner wagte, etwas zu sagen.

Plötzlich ging das Licht wieder an, alles war wieder so, wie es vor dieser unheimlichen Aktion war.
„Was war das denn?! Ein Geist?!“, Samira war kreidebleich.
„Ich glaube ja, aber er wollte nichts Böses. Jedes Jahr feiern wir Halloween und machen alles, um eine schaurige Atmosphäre zu schaffen. Vielleicht wollte er, dass wir uns mal richtig erschrecken.“, so langsam begriff ich, was gerade passiert war.
Ich fing an zu lachen und nach und nach stimmten alle mit ein.
Warum fürchteten wir uns? Schließlich taten wir wirklich alles, um uns zu erschrecken.
Wir feierten noch bis in die frühen Morgenstunden und eines war klar: diese Halloween Nacht würden wir so schnell nicht vergessen.

D.B.

Bildquelle: selbst gezeichnet von Autorin

Wir wünschen allen Happy Halloween und viel Spaß beim gruseln! =)

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