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Jetzt doch der dritte Weltkrieg?

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Da stand sie nun vor der Brötchentheke und überlegte sich, ein Käse oder Mettbrötchen zu kaufen. Hinter ihr hatte sich eine Schlange gebildet, die ungeduldig darauf wartete bedient zu werden. Der rundliche kleine Mann, der in der Reihe als Zweiter hinter ihr stand, grummelte, sie solle sich endlich etwas aussuchen. Die ältere Frau, die vor dem Mann, gab ihr den Tipp sich für ein Mettbrötchen zu entscheiden. In der Warteschlange, die mittlerweile immer länger wurde, erhitzten sich langsam die Gemüter. Eine junge Frau mit einem kleinen Kind an der Hand meinte laut raunzig, dass es doch nicht wahr sein könne so lange vor einer Verkaufstheke stehen zu müssen. Mürrisch gab ihr die Menge, noch gar nicht wissend worum es sich überhaupt handelt, recht. Die üblicherweise in einer Warteschlange behandelten Themen wie das Wetter, sorgsam gepflegte Krankheiten mit einhergehenden regelmäßigen Arztbesuchen, mürrischem Grunzen und Sprüchen wie `beeil dich`, `gib Gas denn ich habe heute noch etwas vor` fingen an, vor dem sich aufbrausendem Ärger zu verblassen.

 

Sich für ein Käse oder Mettbrötchen zu entscheiden bedarf es voller Konzentration und geht nicht von jetzt auf gleich. Die Warteschlange, die mittlerweile zu einer aufbrausenden Menge angewachsen war, schimpfte nun auf alles. Der versoffene Ehemann, die sechs in Mathe und der darauf folgende Stubenarrest, dass es regnet und kalt wär sowieso, demnächst doch eine andere Bäckerei aufzusuchen weil die Zustände ja keinem zuzumuten wären, die Inkompetenz der Mitarbeiter und natürlich Aggressionen gegenüber der Kundin, also die, die in der Reihe an der Reihe war und, als ob sie kein Wässerchen trüben könnte sich, trotz fachlicher Beratung, seelenruhig noch immer nicht zwischen zwei Brötchensorten entscheiden konnte.

Dann endlich die vermeintlich befreienden Worte:“Wenn ich mich für ein Käse oder Mettbrötchen entscheide bekomme ich dann auch eine Serviette?“ Es herrschte absolute Totenstille. Die sich selbst aufbrausende Menge erstarrte kurz um dann wieder, wie im Affenhaus eines Zoos, herumzuwüten. Die Verkäuferin zuckte merklich mit der linken Wimper und hatte schon leichte Schweißperlen auf der Stirn, während der Kundin, die nach wie vor, vor einer schwerwiegenden Entscheidung stand, nichts anzumerken war. Ob sie es mit der Serviette auch in einer Tüte zum mitnehmen bekommen könne? Der Mann in Arbeitskleidung, der am Stehtisch Kaffee trank und alles beobachtete, dachte bei sich, dass es nicht mehr lange dauern könne, bis der mittlerweile wütende Mob die Frau und die Bäckerei auseinandernehme.

Dann plötzlich konnte man die Frau laut und deutlich hören, dass sie sich für ein Käsebrötchen mit einer Serviette in der Tüte entschied. „Macht eins zwanzig“ seufzte die Verkäuferin erleichtert. Vermeintlich erschrocken sagte die Frau, dass sie zuhause vergessen hätte ihr Geld einzustecken und holte eine Hand voll Kleingeld aus ihrer Tasche. Sorgfältig fing sie an es abzuzählen.

Den Mann am Stehtisch überfiel plötzlich Panik. Er kippte den restlichen Kaffee runter und suchte durch den nun tobenden Mob das Weite. Die Frau ließ verlauten, dass sie eins zwanzig klein hätte, aber da man ja heutzutage nicht vorsichtig genug sein könne zähle sie zur Sicherheit noch mal nach.

Der Mob, der nun schon bis ums Eck stand, fluchte nun so heftig auf alles und jeden, auf die Politiker und ihre Politik, auf Religionen und deren Führer, über kommende Wirtschaftswunder oder auch nicht, Kommunisten, Diktatoren, Sozialschmarotzer und über vieles Andere mehr.

Dann endlich. Die Frau entschied sich für das Käsebrötchen mit einer Serviette in der Tüte, ging an dem plötzlich schweigenden und staunenden Mob vorbei und sagte beiläufig, dass sie ja Vegetarierin sei und nur mal ausprobieren wollte, wie schnell man den dritten Weltkrieg in einer Bäckerei entfachen könne…

 

Da kann man sich nur wundern.

 

-Wunder sind unbehinderte Natur

-Wunder sind Vorgänge, die wir nur (noch) nicht verstehen

Stefan van Buer

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