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Sauber „entsorgt“!?

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Sauber „entsorgt“!?
Kinder dürfen nicht leben, damit Vergewaltiger weiterhin ruhig schlafen können.

Auch wenn in Pakistan die Unantastbarkeit der Menschenwürde, Gleichheit vor dem Gesetz, Freizügigkeit, Gefangenenrechte, Versammlungs-, Vereinigungs-, Meinungs- und Religionsfreiheit garantiert werden, kommt es, wie Amnesty International und Human Rights Watch wiederholt berichten, immer wieder zu Missachtungen vom Staatsapparat sowie von der Gesellschaft.
Außerdem liegt Pakistan auf der Liste der für Frauen und Mädchen gefährlichsten Orte der Welt auf Platz 3, direkt hinter Afghanistan und dem Kongo.

In Pakistans Justiz herrscht von Polizei bis zu den Richtern Korruption. Das „Recht“ wird nach Geldbeutel und Ansehen des Täters bestimmt. Hinzu kommt, dass in Pakistan das Islamische Recht, die Sharia, gilt und häufig nach religiösem und nicht nach weltlichem Recht geurteilt wird. Dadurch werden die Gesetzesänderungen zum Schutz der Frauen zu großen Teil aufgehoben oder nicht geachtet.
Selbstjustiz, in Form von Ehrenmorden an Frauen, findet regelmäßig statt. Frauen und Mädchen werden häufig Opfer von Gewalt inner- und auch außerhalb der Familie, ohne dass die Täter Bestrafung durch den Staat fürchten müssen. Nach dem Recht entgeht der Täter einer Strafverfolgung, wenn die Angehörigen ihm verzeihen.

Im Fall der 13 jährigen Kainat, die beim Einkaufen verschleppt, unter Drogen gesetzt und von mehreren Männern vergewaltigt wurde, erklärte das Stammesrecht sie für geächtet und forderte vom Vater und ihrem Bruder, sie zu töten. Obwohl sie als entehrt gilt, die Männer alles abstritten und das Gericht dieses Todesurteil gefällt hatte, hielt die Familie zu ihr.
Mehr als drei Jahre klagte sie mit Hilfe eines Menschenrechtanwalts, der Richter glaubte ihr nicht und die Täter wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen (sofern Beweise gesichert wurden). Sie legte Berufung ein und wie bereits beim ersten Prozess wendet sie sich an die Presse und protestiert öffentlich mit ihrer Familie. Ihr Anwalt bezeichnet diesen Kampf als hoffnungsvoll und die Flut an Aussagen von Frauen sei revolutionär.

Kainat hatte unter den Umständen vielleicht Glück, aber vielen Vergewaltigungsopfern geht es nicht so, sie erleiden schlimme Schicksale und die Babys aus einer solchen Vergewaltigung noch viel schlimmere.

Karachi, eine Stadt im westlichen Pakistan am Arabischen Meer. Eine Stadt mit 20 Millionen Einwohnern, ein Ort, in dem der Staat seine Macht verliert, an dem  sich Taliban, kriminelle Gruppen und Parteien bekämpfen. Ein Ort, an dem Frauen und Mädchen in unzähligen Fällen Opfer von Gewalt werden. Zwangsverheiratung, Kinderhochzeit, Ehrenmorde, Säureattacken, Vergewaltigung, gezielte Abtreibung weiblicher Föten und das Töten und Aussetzen weiblicher Kinder stehen an der Tagesordnung.

Jährlich werden hunderte Babys ausgesetzt oder weggeworfen. Es kommt vor, dass bis zu drei Babys in der Woche gefunden werden, andere werden gleich getötet und entsorgt.
Ungewollte Babys werden an die Geburtshelferin gegeben, die die Embryos in eine Plastiktüten stecken und auf den Müll werfen, wo es entsetzlich stinkt und das landet, was keiner mehr will. Zumeist landen Mädchen auf dem Müll, sie haben nach Ansicht der meisten keinen Wert in diesem Land, oder weil sie Resultat einer Vergewaltigung sind, meist auch, weil die Familien es sich nicht leisten können, da bei der Hochzeit eine Mitgift aufgebracht werden muss.
Sugra ist eines dieser Mädchen. Die Polizei fand sie fast tot und blutend im Müll. Irgendetwas hatte sie gebissen, wahrscheinlich ein streunender Hund. Ihr Überleben grenzt an ein Wunder.  Sie ist zwei Jahre, lebt jetzt im Waisenhaus mit 45 anderen Kindern, zumeist Mädchen, die Ähnliches erlebt haben. Sugra spricht nicht, sitzt einfach nur bewegungslos herum.

Was ist das für eine Mutter, die so etwas tut, könnte man fragen. Oft sind es verzweifelte, junge Mädchen, die Vergewaltigungen oder Missbrauch zum Opfer fielen oder denen die Ehe versprochen wurde und der angebliche Werber sich aus dem Staub machte. Frauen, die uneheliche Kinder austragen, laufen Gefahr gesteinigt zu werden. In vielen Fällen sind es aber nicht die Mädchen, die ihre Kinder töten, meist steckt die Familie dahinter.

Ein 17 jähriges Mädchen wurde verkauft. Ehemann und Schwiegervater vergewaltigten das Mädchen und sie wurde schwanger. Sie gaben ihr vergifteten Reis zu essen. Das Baby starb im Mutterleib, danach hat sie es abgetrieben. Mit dem toten Kind im Arm lief sie nach Hause. Ihre Schwiegermutter nahm ihr das Kind ab und warf es dem Hund zum Fressen vor.

Eine Quizsendung erregt Aufsehen und sie wird als neuer Tiefpunkt betrachtet, im Kampf um die Gunst neuer Zuschauer. Sie wird während des Fastenmonats Ramadan im pakistanischen Fernsehen ausgestrahlt und erfreut sich großer Beliebtheit.
Zu gewinnen gibt es neben Waschmaschinen, Mikrowellen usw. – auch Babys. Während der Show wird das Baby vom Moderator immer wieder angepriesen.

„Dieses hübsche Mädchen wurde auf den Müll geworfen“

In ihrem rotem Strampler mit weißen Punkten in die Kamera gehalten. Als der Moderator den Säugling an das kinderlose Paar übergibt, ist die Freude groß, Tränen fließen. Der neue Vater erzählt von jahrelangen, frustrierenden und fruchtlosen Versuchen, Kinder zu bekommen.

Laut CNN wusste das Paar nicht, auf was es sich einließ, als man sie in die Show eingeladen hatte, und nötige Papiere wurden erst nach der Sendung ausgestellt. Da in Pakistan kein Adoptionsgesetz herrscht, müssen die Eltern nun die Vormundschaft beim Familiengericht beantragen.
Dieses Mädchen war nicht das einzige Kind, das die Fürsorge- Organisation  Chhipa zur Verfügung stellte, ein Mädchen wurde bereits verschenkt, ein Junge soll folgen.

Die Chhipa Welfare Organization, hat das Mädchen für die Gameshow zu Verfügung gestellt und verteidigt ihr Vorgehen. Man könne die Öffentlichkeit über das Leid verstoßener Kinder nur so informieren.  Der Gründer Ramzan Chhipa sagt, sie werden der Show weiterhin Babys zur Verfügung stellen. Im Gegensatz zu, wie CNN behauptet, seien die Sieger vor der Sendung ausgewählt und gründliche Nachforschungen angestellt worden.

Kritik kommt von der Frauenrechts-Aktivistin Rakhshanda Parveen. Sie störe sich nicht so sehr an dem moralischen Aspekt, da ein Heim für das Baby gefunden wurde, sondern viel mehr an der kommerziellen Ausschlachtung.
Schärfer ist die Kritik der Ehdi Foundation, einer Stiftung, die sich seit mehr als 60 Jahren um ausgesetzte Kinder kümmert.
Sie betreiben ein Projekt ähnlich der Babyklappe in Deutschland. Jeder kann dort ein Baby hineinlegen, das er nicht aufziehen kann – ob unerwünscht, aus Armut, oder aus Schande, weil das Kind unehelich geboren wurde. Sie können in so genannten Jhoolas (Wiegen) abgegeben werden und man versucht Adoptiveltern zu finden. Es gibt 335 Büros in Pakistan.

C.G.

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