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Verschwundene Dinge Teil 2

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Verschwundene Dinge

(Teil 2 Kommun)

Mit den verschwundenen Dingen sind auch Reize und Gefühle verloren gegangen. Unsere ganze Aufmerksamkeit wurde für die Betätigung verlangt. Das haptische Erlebnis beim Münzeinwurf einer Parkuhr gefolgt von einem Klicken des Hebels den man bis zum Anschlag drehen musste oder den Parkschein aus dem Automaten ziehen, ist in der „offener See der vergessenen Dinge“ untergetaucht.

Wählscheibe

Bis zum eigentlichen telefonieren war ein routinierter Ablauf erforderlich. Zuerst den Hörer von der Gabel nehmen, die Telefonnummer aus einem selbst erstellten Telefonregister oder Telefonbuch (beides aus Papier)heraussuchen, mit einer Wählscheibe durch einsetzen des Zeigefingers in die zutreffende Fingerlochscheibe (auch Nummernscheibe), durch nach rechts unten drehen bis zum Anschlag, so oft zu wiederholen, bis die vollständige Nummer eingegeben war. Jede Nummer hatte einen eigenen Klang, ratternden Rhythmus und beim Vorwärtsdrehen entstand ein Ratschen. Wenn die Wählscheibe zurücklief ertönte ein unterschiedlich langes Klicken, je nach Ziffer die gewählt wurde. Erfolg hatte der Vorgang, wenn ein Freizeichen ertönte und natürlich der Gesprächspartner auf der anderen Seite den Hörer abnahm. Spannung.
Als Ergänzung sei noch erwähnt, dass es ein Impulswahlverfahren (IWV) gab, das durch ein Mehrfrequenzwahlverfahren (MFV) abgelöst wurde. Noch vor der Wählscheibe, musste man, das Fräulein vom Amt „wecken“ (das war tatsächlich der offizielle Ausdruck für diesen Vorgang), um verbunden zu werden.
Bereits in den 70-ern gab es ein Fernsprechtischapparat mit Tastenwahlblock. Es gibt sie noch oder wieder. Telefone mit Wählscheibe erhältlich (inkl. Digitaltechnik).

Telefonzelle: „Ruf doch mal an!“

Zellsterben. Die gelben Zellen, vier Wände, an der inneren Rückwand ein Telefonapparat mit Münzeinwurf für die zu entrichtende Gebühr, und alles auf einem Quadratmeter Grundfläche. Fernsprechhäuschen erinnerten mitunter an Beichtstühle mit besonderer Aura. Aber längst nicht jeder hatte den Mut, öffentlich etwas zu beichten.
Für den Eintritt in den Fernsprechkiosk, war ein vorheriges Krafttraining von Vorteil. Die Eingangstür wehrte sich mit enormem Widerstand. Sobald das erste Hindernis überwunden war, schwebte einem oft eine Kneipe ins Gesicht. Nach der Geruchs- Akklimatisation, ging man – noch leicht benebelt – zum Münzfernsprecher, um seinen Ritualen nachzugehen.
Neben dem Telefonapparat lagen Telefonbücher – fehlende Seiten oder komplettes Verschwinden der Nachschlagewerke war nicht selten-, falls man nach einer Telefonnummer suchte. Bevor man telefonieren konnte, musste man einiges beachten. Du musstest die Telefonnummern deiner Freunde auswendig lernen, ausreichend Kleingeld mit nehmen, überlegen, in welchem Tarif (Festnetz: nah, fern; Mobilfunk, Sonderrufnummern, Auskunft, Ausland) man gerade spricht. Kleingeldintoleranz war eine verbreitete Epidemie. Wenn alles richtig durchgeführt wurde, war in den Zellen folgende Szenerie zu sehen: Lässig an die Scheibe gelehnt, Zigarette im Mundwinkel und hochkonzentriert im Gespräch vertieft. Bis jemand von außen an die Tür oder Scheibe hämmerte; das entweder mit Drohgebärden oder mit einer durchdringen Stimme – selbst war man davon gepflegt distanziert, außerdem am längeren Hebel oder Draht – ,im besten-Fall beides.
Schlechtes Mobilfunknetz:. Mit dem Handy hetzt man von Funkloch zu Funkloch: erbarmen, man will doch nur ein paar Minuten Empfang, um zu sagen, dass das Mittagessen rechtzeitig auf dem Tisch stehen soll; fragen, ob die Windeln vom Kleinen gewechselt wurden, die Fische und  Omma noch leben und das man keinen Empfang hat. Status: nicht erreichbar.
Dafür, und für Notfälle stehen nun gepfählte Basistelefone; sehen aus wie künstliche Wesen aus einem Science Ficton Film; als hätte ein germanisches Volk namens Vandalen eine Plünderung aus dem Jahre 455 n.Chr. nachgeholt. Das Wetterhäuschen ist weg. Kein Schutz öffentlicher Münzfernsprecher, kein Wetterschutz.
Bei Potsdam lagert die Telekom 3000 alte Telefonzellen auf einem 1,5 Hektar großen Gelände, das gern als „Friedhof“ bezeichnet wird. Die Fernsprechzellen kann jetzt jeder kaufen. Was man damit so macht? Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. Einige bauen sie für den Garten sogar zur Dusche um. Musiker richten sich in den Telefonzellen sogar Mini-Studios ein. Es gibt öffentliche Mini-Bibliotheken, bis dahin, dass Unternehmen die betagten postgelben Zellen als Ruheraum für Handy-Telefonate (ja, richtig gelesen!) einrichtet. Eine gewisse Faszination geht offensichtlich von der Telefonkabine aus.
In New York werden die ersten Telefonhäuschen durch WLAN-Säulen (HotSpots) ersetzt.

Telegramm

Vom Griechischen: tele: fern, weit und gramma: Buchstabe, Schrift. Wörtlich Fernbuchstabe. Damit hatten die Griechen eine weitere olympische Disziplin. Ab sofort suchte die Post, Briefträger mit erweiterter Qualifikation Roadrunner, sprich Briefsprinter statt Briefträger. OK, OK. Wörtlich übersetzt: Fernschrift. Dazu später mehr.
Bevor die Technik, vorrangig die Nutzung der Elektrizität, in die Menschheit einzog, bollerten Postkutschen durch die Lande. Berittene Boten erhöhten das Tempo für die Übermittlung der schriftlichen Botschaften. Im 19. Jahrhundert kursierte -als Zeitvertreib- Telepathie (Gedankenübertragung), aber die blieb den wohlhabenden bürgerlichen Kreisen und renommierten Wissenschaftlern vorbehalten. Naja, eine zuverlässige Transmission konnte keiner garantieren. Mitte des 19. Jahrhunderts sattelte das Telegrafenamt auf Telegramme um. Die Kommunikationsformen Morsen und Telex gerieten in den Hintergrund. Für die Übermittlung der Nachricht(en) wurde ein Telegrafie-Gerät, besser bekannt als Fernschreiber, verwendet. In England hieß das Teletypewriter. (In der Computertechnik ist die Bezeichnung TTY für die serielle Schnittstelle bekannt. Abgeleitet wurde der Begriff vom Warenzeichen der Teletype Corporation.)
Aus Kostengründen, jedes Wort kostet Geld, wurde die telegrafische Depesche kurz gehalten. Daraus entstand der so genannte Telegrammstil. Ein Drahtwort [Drahtanschrift, Telegramm(kurz)Adresse] diente als feste Empfängeradresse, reduzierte die Gebühr, dass sich aber meist nur für Unternehmen rentierte.

Schreibmaschine

Es war einmal in der Zeit um 3300 v. Chr. in Sumer (Mesopotamien/heute zwischen Türkei, Syrien, Iran, Irak). Die Sumerer erfanden die Keilschrift, die sich bis etwa 1800 v. Chr. hielt. Bis zur ersten Schreibmaschine sollten noch viele Kalksteintäfelchen verbraucht und stumpfe Schreibgriffel Keile (Schilfrohr- oder Holzgriffel) werden. (Es gab keine Korrekturmöglichkeit. Einmal verschrieben bzw. verkratzt: neues Kalksteintäfelchen). Das Arbeitsende eines Abbruchhammers ist ein Meißel. Oh, Entschuldigung. Das kam später. Um das Jahr 2350 v. Chr. verbreitete sich die Keilschrift in andere Länder. Ab jetzt gab es die ersten Fremdsprachenkorrespondenten, um die ausländischen Schriften zu dechiffrieren. Andere Länder, andere Sprachen.
Die erste funktionierende Schreibmaschine (wahrscheinlich) wurde von einem Italiener namens Pellegrino Turri (1808) erfunden und gebaut. Für seine Geliebte (eine erblindete Gräfin) schrieb er darauf Liebesbriefe an sie. Wir schreiben das Jahr 1866; der Tischler Peter Mitterhofer aus Südtirol – der auch schon eine Waschmaschine erfunden hatte – baute die erste Schreibmaschine. Sie ähnelte einem selbstgebastelten Holzspielzeug, war aber funktionstüchtig. Mit diesem Schreibgerät wanderte er nach Wien zum kaiserlichen Hof. Der Kaiser – in der Zeit mit andern politischen Dingen beschäftigt – lehnte das Modell und weitere –wenn auch moderner– allesamt ab. In dieser Zeit setzte sich die Maschine von Remington durch. Aus Sicherheitsgründen hatte der letzte Pate aus Sizilien eine Schreibmaschine benutzt; bis zu seiner Verhaftung am 11. April 2006.
Seit 1978 wurden die ersten elektronischen Schreibautomaten mit 8-Zoll-Diskettenlaufwerk und einzeiligem Plasmadisplay hergestellt. Darauf folgte die Speicherschreibmaschine, die eine ca. 5cm Durchmesser große Minidisk mit ca. 2KB Speicherkapazität eingebaut hatte. Das waren die Vorläufer des Computers.
Sowjets hören mit. Der NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages wollte der Überwachung entgehen, indem wieder Schreibmaschinen eingesetzt werden sollten. Ein NSA-Dokument belegte 2007, unglaublich, aber wahr, dass sowjetische Geheimdienste bereits in den 1970-er Jahren die Schreibmaschinen der US-Botschaft in Moskau verwanzt hatten. Mit gezielten Untersuchungen in der US-Botschaft/Moskau, – durch befreundete Dienste der NSA informiert – wurde nach möglichen Wanzen in Bürogeräten gesucht. Und gefunden! Besser ist, keine Schreibmaschinen in den Regierungsbüros einzuführen.

Das Schreiben auf einer Schreibmaschine erforderte höchste Konzentration, denn jeder Fehler war fast wie eine Strafe. Und schon meldete sich die Achtsamkeit zu Worte. Tippfehler wie Buchstabenvertauschung, aufeinander geschriebene Buchstaben und fehlende Buchstaben gehörten zum Alltag einer Sekretärin. Ohne Löschband, Korrekturfolie oder flüssigem Korrekturmittel (das später häufig von Frauen mit bestimmter Haarfarbe am Monitor genutzt wurde), war kein makelloses Schriftbild möglich. Ein Tippfehler im Geschäftsverkehr bedeutete, alles fehlerfrei neu zu schreiben!!!
Noch werden Schreibmaschinen in Deutschland produziert. Doch die Gattung Schreibmaschine ist vor dem Aussterben bedroht.

Parkuhr

in der Innenstadt – ohne Parkschein, ist wie durch Stark-regen zu laufen ohne Regenschirm…
…eine Rente auf Lebenszeit zu gewinnen. Hat man das richtige Kleingeld – genannt Parkgroschen -zur Hand, wählt man die Parkdauer und schwubs…wirft der Parkautomat mit einem Seufzer den Parkschein aus.
Dagegen war früher die Parkuhr ein haptisches und akustisches Ereignis. Passende Münzen in den dafür vorgesehenen Schlitz einwerfen, mit einem ratschenden Geräusch den Hebel bis zum Anschlag drehen, der Zeiger fällt zurück auf die gewählte Minutenmarkierung.
Hatte man einen Parkplatz gefunden, stand arbeitseifrig die Parkuhr – fest auf einer Säule montiert – am Rand des Parkplatzes. Die Parkzeit war auf maximal zwei Stunden begrenzt, um Dauerparkern entgegenzuwirken.
Heute verschwinden die Parkuhren und werden durch Parkraumbewirtschaftungszonen einschließlich Park-scheinautomaten ersetzt… und schwubs…wirft der Park-automat mit einem Seufzer den Parkschein aus.

Autos

Wer eine Parkuhr nutzt, hat auch ein Auto. So wie die Parkruhren verschwunden sind, werden manche Autotypen ebenfalls unsichtbar. Einige haben während ihrer Lebenszeit den Status eines Klassikers erreicht, und sind manchmal auf der Straße oder bei Oldtimer-Rallyes zu sehen. Jetzt ist es Zeit zum Abschied nehmen von R4, Ente, VW Käfer, Fiat 500 und Citroën DS. An dieser Stelle folgt ein Nachruf mit Spinnweben am Rückspiegel. Cit-roën 2CV, Renault 4 und Fiat 500 stehen für automobile Grundversorgung.

Trikolore der 60er und 70er
2CV:
Der Name 2CV leitete sich von der Kennzahl Cheval fiscal im französischen Kfz-Steuersystem ab. Aus den Nieder-landen stammt der Ausdruck „de lelijke eend“ („das hässliche Entlein“), das, nach dem gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen, das Aussehen bezeichnete.
In turbulenten Komödien spielte Louis de Funès einen cholerischen, manipulativen Polizisten, der es ständig ei-lig hatte und mit jedem fahrbaren Untersatz auf Verbre-cherjagd ging. Dabei half u.a. eine rasante Fahrt mit einer
Nonne im Geschwindigkeitsrausch in einer 2CV und oft in der Madame Citroën DS. Während dieser Abfahrt, gleich einer Expedition „Ritt der Walküren“ – ohne gesungenen Schlachtruf der berittenen weiblichen Geisterwesen -, wurden die geniale Federung – weich wie ein Camembert,

und die Fahrt durch Kurven bis zum Umfallen (Neu: Elch-test), getestet. Von wegen. Hier zeigte sich, das die Cit-roën 2CV anfangs als Vehikel für Bauern
gebaut/konzipiert wurde; das Schweben oder Gleiten eine neue Dimension erhalten haben. (Schwanken bis zur Magenbelastungsgrenze: Tüte oder schnell anhalten.)

Für die gewöhnungsbedürftige Revolverschaltung (Z-Schema, 1. Gang liegt hinter dem Rückwärtsgang) benö-tigte man etwas Übung. Erst recht beim Überholen-eine Denksportaufgabe: „Wann ist der richtige Zeitpunkt und wie lange brauche ich auf der linken Spur (möglichst ohne Brummi im Rücken), um ein anderes Fahrzeug zu überholen?“ Dabei wurde die Leistung des luftgekühlten Zweizylinder Boxermotors – 602 cm³, 29 PS – mit untenliegender Nockenwelle, voll ausgeschöpft. Maximaler Fahrspaß durch minimalen Aufwand: Zwei Scharniere entriegeln, Rolldach aus Spannbügel nehmen, nach hinten rollen, mit Halteband fixieren, fertig ist das Cabrio!
Die Ente brachte einen von A nach B, das reichte!

Citroën DS:
Unmittelbar nach der Präsentation am 06. Oktober 1955, war der Citroën DS 19 auf dem Pariser Autosalon heiß begehrt. Das avantgardistische Design, eine fortschrittliche Hydropneumatik die ihrer Zeit weit voraus war – eine regulierbare Luftfederung, die die Bodenfreiheit variieren konnte, ermöglichte ein elegantes Fahrvergnügen. Es dauert einen Moment, bis die Hydraulik genug Druck aufgebaut hatte, um den Wagen auf Betriebshöhe anzuheben. Über einen Hebel im Fußraum ließ sich die Karosserie noch höher pumpen, ohne gleich ein Amphibienfahrzeug daraus zu machen.
Im Laufe der Entwicklung des DS, entstand durch unter-schiedliche Wortspiele der Kosename für den Citroën DS: „Die Göttin“ – „La Déesse“. Andere Beinamen wie Haifisch oder Frosch, assoziierten die Vorderansicht (Hai-fischmaul; Frosch), in den Niederlanden Hecht.
DS Présidentielle, ein 6,53 Meter langes, 2,13 Meter brei-tes Modell – voilà-, fertig ist ein Repräsentationsfahrzeug mit stark verfremdeten Linien und einem Stufenheck, das von Charles de Gaulle gelegentlich bei offiziellen Anlässen genutzt wurde. Louis de Funès hatte kein Problem mit den fragilen, scheinbar schwebenden Citroën DS, die sehr rostanfällig waren. Als französischer Hochgeschwindigkeitshektiker wechselte er zu oft die Fahrzeuge. Später kam der DS auf die schiefe Bahn und fuhr als Gangster-Auto weiter über die Leinwände.
Zum Abschluss eine echte Limousine: DS 23 Pallas, Servolenkung, halbautomatische Schaltung, Scheibenbremsen und vor allem ein hydropneumatisches Fahrwerk, das „Fahrende Wohnzimmer.“
R4:
Ein Kleinwagen der Sechziger-Jahre, wie die Ente mit ge-wöhnungsbedürftiger Revolverschaltung, robuster Tech-nik zu einem erschwinglichen Preis. Ente und R4 waren aufgrund der gegebenen Rahmenbedingungen, Studen-tenfutter. Der R4 hatte eine komfortable Ausstattung, wie eine umlegbare Rückbank, auf Schienen verstellbare und weich gepolsterte Sitze. Nach dem Öffnen der Heckklappe, bot sich einem erstaunlich viel Raum. Unter der Motorhaube residierte ein 32 PS-Motor, der mit vier Zylindern ein typisches Näseln produzierte. Dieses praktikable Auto fand unterschiedliche Nutzer, wie die Guardia Civil, eine spanische paramilitärisch ausgerichtete Polizeieinheit, die französische Gendarmerie – bis weit in die 90-er Jahre als Dienstfahrzeug, Familien für Ausflüge und Urlaube. Erhältlich als Kombilimousine, Hochdachkombi, Kastenwagen, Pickup und Strandwagen, zeigte er die Vielfalt der Nutzungsmöglichkeiten.
Im Jahr 2011 wurde der R4 5o Jahre.

VW Käfer:
Das große Krabbeln begann schon 1934 mit ersten Plänen in der Schublade. Die Produktion begann aber erst im Jahr 1938 als Serie 38, konstruiert von Ferdinand Porsche. Ab jetzt liefen die Käfer nicht nur in der Küche, sondern auch auf allen Straßen. Ein günstiges Auto musste her. Nicht nur die französischen Spardosen-Modelle standen für automobile Grundversorgung. Zum krönenden Abschluss der verschwundenen Autos: Der VW Käfer (Typ 1)! Er sollte eine Erfolgsgeschichte werden, die tatsächlich eintraf. Unter der Marke Volkswagen wurde der echte VW Käfer, ein Modell der unteren Mittelklasse, von einem luftgekühlten Vierzylinder-4-Takt-Boxermotor angetrieben, der einen ruhigeren und taktvollen Motorlauf bewirkte, produziert. Möglicherweise hatte die New York Times 1938 zum ersten Mal in einem Artikel den Namen Beetle benutzt, der sich Anfang der Fünfziger-Jahre – in-zwischen war der Käfer als sparsames Auto populär,- in den USA leise witzig als Spitzname etablierte. Dabei war das Nachfüllen von Kraftstoff ohne Tankanzeige ein klei-nes Abenteuer, das sich durch Benzingeruch im Innen-raum verstärkte, aber ein wichtiges Signal für das Umle-gen des Benzinhahns war. Jetzt füllten den Tank noch fünf Liter Benzin, die bis zur nächsten Tankstellen reichen mussten. Im Sommer wurde die Fahrt noch heißer. Hitzefrei? Keine Chance. Zwar kochte Luft nicht, heiß wurde es im Motorraum aber trotzdem. Nur im Winter nicht! Dafür fuhr man wie im Nebel – ohne das gleichlautende Horn – mit vereisten oder beschlagenen Innenscheiben.
Nun zur erwähnten Erfolgsgeschichte, die am 17. Februar 1972 begann, als ein 1302 S in Marathonblaumetallic vom Band lief und den Titelverteidiger Tin Lizzy – Fords
Modell T („Blechliesel“) – als meistgebautes Auto, ablös-te. Schon am 5. August 1955 wurde der einmillionste Volkswagen mit goldfarbener Lackierung und geschliffe-nen Glasperlen auf den Chromteilen (ursprünglich Farbe mit Goldstaub und geschliffene Steine aus Südamerika) gefeiert.

Mit 65 Jahren fuhr der letzte VW Käfer (NR: 21.529.464) vom Band in die Rente. Als „letzter Mohikaner“ des Stammes bug steht er im „Zeithaus“ der Autostadt Wolfsburg, um dem einen oder anderen Betrachter so manche Erinnerung hervorzurufen.

Fiat 500:
Der Gigolo unter den Sparmodellen war ein Minimalist. Willkommen bei Gullivers Reisen: Im Fiat ist fast alles wie in einem normalen Auto, nur viel kleiner. Zum Gebrauch des Autos war alles wie Schalter, sportliche Mittelschal-tung, Fensterkurbel, Tacho, Kilometerzähler, Licht-, Ben-zin- und Öl-Anzeige, vorhanden. Aus Kostengründen wurde der 22-PS-Motor im Heck eingebaut, der markig laut die Insassen des Fiat Cinquecento –so von Liebhabern genannt – durch die Lande fuhr. In der 2,97m Karosse hatten kleinere Menschen einen klaren Vorteil.
Der Fiat 500, klein aber oho! Gleich in drei Filmen, die da sind: ein jap. Anime „Das Schloss des Cagliostro“ als Fluchtfahrzeug, in „Theo gegen den Rest der Welt“ als Verfolgerauto und im Pixar-Animationsfilm „Cars“ (2006) in der Nebenfigur „Luigi“, fuhr er souverän.
Der Fiat 500 erlebt eine Wiederbelebung in neuem De-sign, z.B. das Modell Riva als Hingucker mit „Picknick-korb“ am Heck befestigt oder der neue Fiat 500 Cult.
Vorreiter des Retro-Designs war schon 1997 der von Volkswagen gebaute VW New Beetle, der 2011 vom VW Beetle abgelöst wurde.

So: Einmal schaue ich noch in die vergessene Welt.

Burkhard Glebe

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Nummernschalter
https://de.wikipedia.org/wiki/Telefonzelle
https://de.wikipedia.org/wiki/Telegramm
https://de.wikipedia.org/wiki/Schreibmaschine
https://de.wikipedia.org/wiki/Parkuhr
https://de.wikipedia.org/wiki/VW_New_Beetle
https://de.wikipedia.org/wiki/Renault_4
https://de.wikipedia.org/wiki/Citro%C3%ABn_DS
https://de.wikipedia.org/wiki/Citro%C3%ABn_2CV

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