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Wunder eines Sterns

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Wunder eines Sterns

 Spät in der Nacht, wurde der Horizont von vielen kleinen Sternen erhellt. Ein Stern leuchtete für einen sechszehnjährigen Jungen heller, als jeder andere Stern. Er saß wie jedes Jahr auf einer Wiese, die sich auf kilometerweite Fläche erstreckte.  Dieser Junge hatte seit klein auf einen Wunsch und dieser war, …einen Stern für sich am Himmel zu ergattern. Nicht irgendein Stern sollte es sein, denn er wollte den ganz bestimmten hellen. Heute war sein Geburtstag und auch an diesem Tag, streckte er seine rechte Hand aus, um nach den hellsten Stern zu greifen. Seine Hoffnung ihn irgendeinmal zu bekommen, gab er nicht auf.

„Bitte, sei heute Nacht mein Stern und leiste mir Gesellschaft“, murmelte er vor sich hin. Plötzlich geschah das Unfassbare. Den Stern, den er so gern besitzen wollte, fiel in unabsehbarerer Entfernung vom Himmelszelt. Für einen Augenblick wollte er diesen Moment festhalten; allzu lange dauerte es allerdings nicht. So schnell seine Beine ihn tragen konnten, stand er auf und rannte zu der Stelle, an dem der Stern hinunter fiel. Dort, an diesem Punkt,….dort lag ein Mädchen. Langes blondes Haar, zierte ihren Kopf.

Ihre Haut und Körper glich Porzellan. Blass und zerbrechlich, wie eine Puppe. Ihr Körper war bekleidet mit einem hellen glitzernden Kleid, welches ihr bis zu den Oberschenkeln reichte. Ihr Antlitz wirkte so, als wolle sie den Sternen Konkurrenz bieten. Außerdem schien sie im gleichen Alter wie er zu sein.
Ihre Augen waren geschlossen, bis sie diese langsam öffnete und ihr Blick auf ihrem Körper verharrte. Ungläubig streckte sie die Arme und Hände aus, sah sich jeden Millimeter genauestens an, als wirke er ihr völlig fremdartig. Versuchend die Hände und Finger zu bewegen, bemerkte das Mädchen nun auch den Jungen. Als sie ihn sah, erschrak sie nicht, sondern fing an zu lächeln. Langsam stand sie auf, versuchte zu ihm zu gehen. Er wusste nicht, was er von dem Mädchen halten sollte. In seinem Gesicht stand deutlich geschrieben, dass er mit der Situation die gerade herrschte, völlig überfordert war.

„Wer bist du?“ Lang ersehnt fragte er sie. Immerhin hatte er sich einen Stern gewünscht und ein Mädchen konnte seines Erachtens kein Stern darstellen. Mit jedem wackeligen Schritt, den sie auf ihn zuging, umschloss sie ihre Hand fester und fester auf ihre Brust. „Du müsstest es doch wissen. Ich komme von dort oben“. Ihre Stimme klang sanft. Ihren Finger richtete sie strikt gen Himmel, als sie bei ihm ankam. Der Junge wurde wütender, je länger er ihre Bewegungen zum Horizont andeutete. „Das kann nicht sein, immerhin bist du kein…“. Er verstummte, schubste sie zu Boden und verschränkte die Arme. Stille trat ein, ehe das Mädchen murmelte. „…kein Stern, hm?“ Traurig sah sie vom Boden auf zu ihm. In ihren Augen bildete sich Nässe, Tränen bahnten sich ihren Weg aus den Augen, Tränen wie kleine funkelnde Sterne. „Ich habe dich schon immer beachtet, strahlte heller als die anderen, weil ich deine Aufmerksamkeit wollte und nun, da ich nur für diese Nacht ein Mädchen bin, die aus Fleisch und Blut ist, da wendest du dich von mir ab?“

Unfassbar…das konnte Niemand anderes wissen, zu dieser Erkenntnis kam der Junge und weitete in diesem Moment zeitgleich die Augen. Seine Wut war vollkommen erloschen, dafür zeigte sich eine Wärme in seinem Gesicht. Er fiel auf die Knie, zog das Mädchen an sich und umarmte sie liebevoll. Sein Atem erreichte ihr Ohr, als er ihr leise zuflüsterte. „Tut mir Leid. Ich wusste ja nicht, dass Wunder geschehen können“. Das Mädchen erwiderte seine Umarmung, legte den Kopf auf seine Schulter und schloss die Augen.  „Es geschehen eben doch noch Wunder, man muss nur an sie glauben und denken, dass das unfassbare möglich werden kann“. Was beide momentan vergaßen und ebenso wenig darauf achteten, war, dass die Nacht ihr Ende gefunden hatte. Die Zeit verging wie im Flug, als die zwei in ihrer Umarmung verharrten.

Das Mädchen bemerkte, dass der Himmel nach ihr rief. Sie löste die Umarmung und legte die Lippen auf seine Wange. „Die Nacht ist vorbei, dein Wunsch ist erfüllt. Ich muss zurück“. Der Junge stand auf, versuchte sie festzuhalten. „Nein, bleib bei mir“, jedoch spürte er, wie sie sich nach und nach verflüchtigte. „Ich werde immer da sein, sprich mit mir und vielleicht…eines Tages, kann ich noch einmal zu dir kommen. Vergiss mich nicht“. Der Junge presste seine Zähne aufeinander, da er nicht verhindern konnte, dass sie ging. So plötzlich sie auftauchte, verschwand sie auch. „Du kannst mich hören, nicht wahr?“ Er schrie in den Sonnenaufgang hinein. „Nächstes Jahr, nächstes Jahr sehen wir uns wieder…und dieses Mal nicht nur für eine Nacht“. Er wollte sie für sich haben, sie sollte nur sein Stern sein und das auf ewig. Selbst, wenn ein ganzes Jahr verging, das unsagbare starke Gefühl, dass er für sie hatte, würde nicht verschwinden. Eine traumhafte Zukunft würde  den zweien bevorstehen, dies wussten beide schon jetzt.

Sayuri Roxan

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